Sonntag, 17. November 2013

Lueginsland Ausgabe Juni 1979





































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Der Text zu Lueginsland Ausgabe Juni 1979

LESERBRIEFE


Herrnanstraße 3, 8300 Augsburg

In eigener Sache
Seit Hans Haibel sind wir sogar in Konkur­renz mit der Bild-Zeitung getreten. Der Chef der Goetzewerke Friedberg bestellte bei uns spontan 50 Jahres-Abos, um sie seinen Lehrlingen zur Verfügung zu stel­len. Auf diese Weise, so Haibel, lesen die jungen Leute auch manchmal etwas ande­res als die Bild-Zeitung. Bemerkenswerter Nebeneffekt: Die größtenteils aus dem Friedberger und Aichacher Raum kom­menden Lehrlinge sind durch die monat­liche Lektüre des LUEGINSLAND im­mer gut über Augsburg informiert. Wir hoffen, daß die Pionier-Arbeit Haibels auch den anderen "Lehrlings-bewußten" Arbeitgebern als Vorbild dient.

Nebenbei bemerkt: LUEGINSLAND geht in den 3. Jahrgang.

Eine Stadtdurchquerung ganz besonderer Art veranstalteten unsere beiden Mitar­beiter Peter Fischer und Siegfried Zagler. Sozusagen auf dem Seeweg paddelten
sie auf der Singold bei Inningen über den Wertachkanal, die Wertach bis zum Lech mit nur zwei Zwangsumstiegen quer durch Augsburg. Was sie dabei erlebten, steht im Bericht auf Seite 12. Die aufre­genden Fotos dazu schoß Dominik Ober­treis, der die beiden Magellans auf dem Fahrrad verfolgte.

30 Jahre Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Das verpflichtet — auch ei­ne Stadt-Zeitung. Bereits im Heft 4/79 des LUEGINSLAND haben wir unter dem Titel "Machte seinem Namen alle Ehre" die verfassungsrechtlichen Bedenken im Zusammenhang mit dem "Extremistenbe­schluß" und der Terroristenfahndung von Professor Dr. Ulrich Klug aus Anlaß seiner Rede im Oberen Rathausfletz ver­öffentlicht. In dieser Nummer sind es drei Artikel, die in unterschiedlicher Weise zum Thema 30 Jahre Grundgesetz, Menschenrechte und Grundwerte Stellung nehmen (Arno Behrisch' verfassungs­geschichtliches Referat im Gewerkschafts­haus im Rahmen der "Stadtnachrichten", Besprechung der beiden Bände "Die Grund werte in katholischer Sicht" und "Men­schenwürde, Recht und Freiheit" von Bischof Stimpfle und Jürgen Moltmann im Literaturteil des "Kulturmagazins", wo mehr in theologischer und philoso­phischer Besinnung das Thema angegan­gen wird).

Strafanzeige erstattet

Der dpa-Mitarbeiter Peter Richter hat gegen Thosti-Chef Ignaz Wal­ter Strafanzeige bei der Staatsan­waltschaft Augsburg wegen Ver­dachts der Beleidigung, übler Nach­rede, Verleumdung, Nötigung und Bedrohung erstattet. Richter war von Ignaz Walter in einem Inter­view (LUEGINSLAND Mai 1979, Gespräch des Monats) beschuldigt worden, die negative Kampagne über sein Mathematik-Nachhilfe­Buch inszeniert zu haben (siehe hierzu auch unter "Leserbriefe" und "In eigener Sache").

Darüber hinaus legt Richter auf die Feststellung Wert, daß „zu dieser Sa­che die Augsburger Allgemeine, die Süddeutsche Zeitung, der Spiegel, der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnen­verband und der Lehrstuhl für Didak­tik der Uni Augsburg ebenfalls zu dem Ergebnis kamen, daß das Mathematik- Nachhilfebuch Ignaz Walter's ein Plagiat ist."



Der unauf haltsame Aufstieg"

Zu unserem Gespräch des Monats im Mai-Heft mit Thosti-Chef Hon Walter

Im Mai hat LUEGINSLAND ein Ge­spräch mit dem Vorstand der Thosti-AG, Inner Walter, veröffentlicht. Ich kenne diesen Menschen nicht und will ihn auch nicht kennenlernen, nach dem, was er da geäußert hat Was hat er denn gesagt?

Man muß wissen, der Mann hat ein Nachhilfebuch für Mathematik herausge­geben und durch geschickte Eigenwerbung bekanntgemacht und hochgelobt. Kritiker angesehener Zeitungen haben darauf hin­gewiesen, daß zwar viele Quellen genannt seien, daß aber ein Abschnitt von über

100 Seiten einem anderen Buch entnom­men sei, ohne daß der wahre Autor ge­nannt sei. Was sagt Ignaz Walter zu diesem Vorwurf? Wörtlich: "Wenn jetzt so Scheiß-Schmierer kommen und so tun,

als hätte ich verheimlicht, daß ich hun­dert andere Bücher dazu verwendet habe, dann St das schlechthin nicht nur mieser Stil, sondern eine Sauerei". Und dann nennt er den Kritiker "Diese Sau, diese dreckige." Ignaz Walter redet also zielsi­cher an dem Vorwurf vorbei; anstatt die­sen schlicht unwahr zu nennen, greift er zu Beschimpfungen.

Was soll man nun also vom Vorwurf des "Abschreibens" halten? Entweder er stimmt, dann wird Herr Walter eine passen­de Ausrede suchen und sich entschuldigen müssen. Oder der Vorwurf ist unberech­tigt, dann kann Herr Walter vor ein deut­sches Gericht gehen und die Journalisten wegen Verleumdung verklagen. So ist das üblich zwischen Ehrenmännern in einem Rechtsstaat. Aber Herr Walter kennt da einfachere und handgreiflichere Metho­den: "Wenn ich ihn einmal treffe, dann hau ich ihm eine rein, wenn keiner dabei ist. So ein Schwein." Das steht wörtlich da!

Wenn das irgendein halbstarker Rauf­bold in der Vorstadt gesagt hätte, es wäre keine Zeile wert. Aber es handelt sich um einen maßgeblichen Mann der Wirtschaft, der sich eben anschickt, die Augsburger Innenstadt umzugraben, um Gold zu scheffeln. Wenn beispielsweise unter den Augsburger Stadträten noch "so eine Sau, so eine dreckige" ist, die dem Ignaz Walter verwehren möchte, die Maximilianstraße zu zerstören, dann wird er tunlichst um Polizeischutz bitten, wenn er abends nach Hause geht. Es könnte ja sein, daß Ignaz Walter hinter der dunklen Straßen­ecke lauert, um ihm schlagend zu bewei­sen, wer da recht hat in dieser Stadt.

Im Ernst Wir Augsburger haben in we­nigen Jahren den Aufstieg der Schnitzen­baumers und der Glögglers gesehen, und die meisten von uns sind hier zerflossen vor Bewunderung. Auf den Aufstieg folgte der Fall. Derzeit erleben wir den "aufhalt­samen Aufstieg" des Ignaz Walter. Nie­mand sollte sagen, er habe nicht gewußt, wie dieser Mensch denkt, redet und han­delt, nach dem, was er im L UEGINS' LAND freimütig geäußert hat. Man sollte ihm dankbar sein dafür!

Erich Maiberger

Neidhartstraße 31,89 Augsburg



Falsch interpretiert?

zum Artikel: "Das war Wahnsinn" im April-Heft 

Der Artikel war nicht schlecht. Auch das Interview war recht ordentlich. Nur inter­pretierte der Interviewer unsere Aussagen falsch und deshalb kommen manche Sät­ze in ein falsches Licht. Zum Beispiel der Satz: "Ein echter Punker, das ist einer, den alles ankotzt . .!" Diese Pünktchen am Ende des Satzes hätten weiter ausge­führt werden müssen, denn wen kotzt nicht alles an unter vielen Jugendlichen? Der Satz "Das hat er sich bei den aggres­siven Lederjackenmännern anders vorge­stellt." ist falsch wiedergegeben. Das wur­de nie gesagt. Ich bitte doch sehr, daß die­se Richtigstellung gedruckt wird (anstelle der vielen Reklamen), da auch wir ein Recht auf Richtigkeit haben. Danke.

P.S. An sich finde ich Eure Zeitung gut

Ralph Wonisch

Jakoberstra ße 75, Augsburg


STADTNACHRICHTEN

"Liederlicher Umgang mit dem Grund­gesetz"

Auf Einladung dreier Augsburger Organi­sationen (Augsburger Initiative gegen Be­rufsverbote, Vereinigte Kriegsdienstgeg­ner e. V., Deutsche Friedens-Union) sprach am 10. Mai das ehemalige Mit­glied der SPD-Fraktion im Bundestag (bis 1961) Arno Behrisch ("Mein Freund 'Willy"') im Gewerkschaftshaus (Schaez­lerstraße) zum Thema "30 Jahre Grund­gesetz — Verfassungsauftrag und Ver­fassungswirklichkeit".

In einem verfassungsgeschichtlichen Rück­blick zeigte der Referent die engen Bezie­hungen auf, die zwischen der Grundge­setzgebung im Jahre 1949 und den Allge­meinen Menschenrechten bestanden: In diesem Zusammenhang nannte Behrisch die Allgemeine Erklärung der Menschen­rechte durch die Vereinten Nationen (1949), die Atlantik-Charta und die Roosevelt-Doktrin. All diese Erklärungen hätten die Wiederaufrichtung der Men­schenrechte nach dem 2. Weltkrieg in den kriegführenden Staaten und die Ein­beziehung der 15 Menschenrechte in die Verfassungen dieser Länder (Recht auf

Leben, Arbeit, Bildung, Hilfe und sogar ein Recht auf Revolution) zum Inhalt ge­habt. Für den Nachfolgestaat des Deut­schen Reiches ("Es gibt kein fortbeste­hendes Deutsches Reich!"), die damaligen 4 Besatzungszonen, sollten nach dem Wil­len der Siegermächte, so Behrisch, 3 ver­fassungsrechtliche Grundsätze gelten: Kein Nazismus, Monopolismus und Mili­tarismus mehr. Anti-Nazismus und Anti­Militarismus seien notwendige Folgen, der Anti Monopolismus ergebe sich aus dem unheilvollen Miteinander von Groß­grundbesitzern, Industrie und Nazismus ("Das Junkertum und die Deutschnatio­nalen"). Außerdem meinte Behrisch: Die damaligen Länderverfassungen waren wei­ter in der Umsetzung der Menschenrechte, als die Auflagen der nunmehr nur noch 3 Siegermächte (ohne die UdSSR) an die "Verfassungsgebende Versammlung" des Parlamentarischen Rates in Bad Godes­berg. Ähnlich auch die Parteiprogramme der Parteien ("Ahlener Programm" der CDU). Behrisch: "Im ganzen sei also durch­aus eine positive Einstellung im Bewußt­sein der Politiker zu verzeichnen ge­wesen."

Im Zuge des Zerwürfnisses der Sieger­mächte setzte allerdings ein Meinungs­umschwung ein, dessen erster Ausdruck die Wiederbewaffnung der BRD gewesen sei. ("Die Wiederaufrüstung gehört gar nicht in die Geschichtsbücher, sondern in die Kriminalakte.") Angefangen von den Notstandsgesetzen sei bisher 30 Mal das Grundgesetz durch Folgegesetze relati­viert worden.

Für die Zukunft empfahl Behrisch, der mit Witz, pädagogischem Geschick und einem Schuß Komik die Zuhörer zu inter­essieren verstand, eine Verfassungspolitik zu betreiben, wie sie Ferdinand Lassalle verstanden hatte: Konsequente Orientie­rung aller Gesetze an den Menschenrechten und dem Grundgesetz. Im übrigen gehe es darum, daß der Staat in seiner Verfassungspolitik nicht nur die Grundrechte erhält und schützt, sondern sie weiter­entwickle und konkretisiere, denn: "Die Gesellschaft ist zwar expandiert, aber nicht das Grundgesetz." AM

Beschlüsse des Stadtrats vom 25.4.1979

· Mittelbewilligungen in Höhe von je 50.000 DM für Energiehilfe, Familienhilfe, Fami­lienerholung

· Heimkosten für die Erstbelegung des umge­bauten Wollmarktgebäudcs im Ilospitalstift

· Einführung der Koeduktion und Unter­riehtsangebot am Maria-Theresia-Gymnasium

· Änderung des Flächennutzungsplanes der Stadt Augsburg, Zustimmung des Bebau­ungsplanes "Steinerne Furt" sowie Fort­schreibung des Gesamtverkchrsplanes

· Abbruch von Wohn-, Geschäfts- und Lager­gebäuden in den Anwesen Kitzenmarkt 12-18 und Gögginger Mauer 19-21

Beschlüsse des Stadtrats vom 16.5.1979

· Jahresrechnung 1978

· Erlaß der 1. Nachtragshaushaltssatzung für den Verwaltungs- und Vermögenshaushalt 1979

Festlegung der Orientierungsdaten für die Haushaltsplanung 1980

· Änderung der Sperrzeit der Seniorenkarten

· Bebauungsplan für das Gebiet zwischen Turn­bleichstraße, Lochbach, dem großen Öl­bach und Seidelbaststraße

· Änderung des Flächennutzungsplanes zwi­schen Stadtgrenze (Lech) und der BAB · in Lechhausen und Aufstellung eines Bebau­ungsplanes "Nördlich der Gersthofer Straße" Widmung von Straßen und Wegen

· Ausbau der Stettenstraße

· Ausbau der Ulmer Straße zwischen Neu­säßer Straße und Stadtgrenze

· Umstufung eines Teilstückes des "Reitweges vom Reichskanal zur NW-Grenze des Sie­bentischwald

· Einziehung der Stichstraße zur Lauterba­cherstraße

· Errichtung einer Stadtteilbücherei in Kriegs­haber


Städtetag begrüßt Novelle


Beschränkungen des Fahrzeugverkehrs zum Schutze der Ruhe und zum Schutz vor Abgasbelästigung, die Erleichterung zur Einrichtung verkehrsberuhigter Zonen und die Parkvorrechte für Anwohner. All dies sind Bestandteile der Novelle des Straßenverkehrsgesetzes, das jetzt von der Bundesregierung verabschiedet wur­de. Der Städtetag appeliert nun nach­drücklich an den Deutschen Bundestag und an den Bundesrat, die Novelle zügig zu beraten und möglichst bald in Kraft zu setzen.

Bedürfnis-Prüfung

Die SPD-Fraktion will von der Verwaltung geprüft wissen, "in welchen Stadtteilen das größte Bedürfnis zur Errichtung von Abenteuerspielplatzen besteht". Abge­sehen davon, wie man das "Bedürfnis" wohl erforscht, gibt es sicherlich keinen Stadtteil, der keinen Abenteuerspielplatz nötig hat. LUEGINSLAND bittet die Ver­waltung, auf unbürokratische Weise den Jugendlichen in allen Stadtteilen lediglich ein Grundstück und ein paar Holzbalken zur Verfügung zu stellen. Die werden sich ihren Spielplatz dann schon selber bauen. Um das "Bedürfnis" bräuchte man sich keine Sorgen zu machen.

Radweg am Schleißweg

Die beiden Stadträte Gerd Arnold und Karl Miedanner bitten den OB zu überprü­fen, ob man den geplanten Fuß- und Rad­weg am Oberen Schleißweg zum Wildtau­benweg nicht in das Programm "Freizeit und Erholung" des Freistaates Bayern auf­nehmen kann. Der Vorteil dabei wären Fördermittel des Freistaates. Da wird der OB sicher nichts dagegen haben.

FDP dynamisch

Gut gerüstet für die Europawahl gibt sich die FDP, Bezirksverband Schwaben. Europabeauftragter für den Bezirksver­band Schwaben Anton A. Fischer erstat­tete einen ausführlichen Bericht über die Aktivitäten zur Euro-Wahl. Dabei kam laut Presse-Text zum Ausdruck, daß "die FDP mit einer dynamischen und politisch ausgereiften Mannschaft in die Europa- Wahl geht". Trotzdem will die FDP ihre Bemühungen noch wesentlich verstärken und um ein gutes Wahlergebnis bemüht sein. Bei soviel "Dynamik" kann sicher nichts mehr schiefgehen.

Ball der Angepaßten

Was zu einer Begegnung für Bürger und Studenten hätte werden sollen, ent­puppte sich für alle Beteiligten zum Frustrationserlebnis. Der Maiball der Uni­versität Augsburg in der noblen Kongreßhalle fiel auf durch gähnende Langeweile und überhöhte Preise (0,2 l Überkinger DM 3,20 — im Saal Konsumzwang).

Im Foyer saßen die Studiosi im schön­sten Frack mit der unverbindlichen Stim­mung einer Flughafen abflugshalle.

Warum immer nur so verkrampft? Den Ball hätte man in der Uni selbst abhalten können, die sterile Kongreßhalle mit Rauch- und Trinkverbot im 1. Stock ist nicht dazu geschaffen, sich näherzukom­men. Eher für das Gegenteil. Kein Wunder, daß ab 22.00 Uhr der Graue Adler die ge­wohnte (Über-) Fülle hatte.

Mehr Sicherheit für Radler 

SPD-Verkehrsexperte Naumann verlangt mehr Radwege außerhalb der Städte. Gera­de angesichts des stark ansteigenden An­teils an Radlern im Straßenverkehr seien diese schutzbedürftigen Verkehrsteilneh­mer besonders zu berücksichtigen. Nau­mann will in einer Anfrage von der Baye­rischen Staatsregierung erfahren, ob sie Richtlinien mit Kriterien für die Anlage von Geh- und Radwegen oder Radstreifen an Bundes- und Landstraßen erlassen hat, oder wenn nicht, ob eine solche Absicht bestehe. Außerdem soll die Staatsregie­rung mitteilen, ob sie den Bau solcher Radwege beabsichtige.

2. Bildungsweg in Gefahr

Zur Zeit berät die ständige Konferenz der Kultusminister der Länder über eine völ­lige Angleichung der Kollegs und Abend­gymnasien an die Organisationsform der Gymnasien. Anton Hochleitner, der kul­turpolitische Sprecher der SPD-Landtags­fraktion sieht darin eine Gefahr für die Eigenständigkeit des Zweiten Bildungs­wegs und dessen spezielle Ausrichtung gerade auf die frühere berufliche Tätig­keit. In einer schriftlichen Parlamentsan­frage will Hochleitner erfahren, welche Haltung das bayerische Kultusministerium in dieser Frage einnimmt und warum.

Mami-Fraktion

Der Solo-Stadtrat der FDP, Dr. Bruggey, sieht nach einem Jahr Stadtratstätigkeit zurück. Der "Einzelkämpfer" glaubt, sei­ne Aufgabe ordentlich erfüllt zu haben, will aber trotzdem eine Klausurtagung mit seinen Parteimitgliedern veranstalten, um Mißverständnisse auszuschließen. Ob Interesse besteht, hängt von den Interessen der Mitglieder ab. Auch Nicht-Mitglieder können sich anschließen. Bruggey erhofft sich von dieser Veranstaltung neue Anre­gungen für seine Stadtrats-Arbeit. Hoffent­lich ist er auf dieser Klausur-Tagung nicht ebenso einsam wie weiland Paul Anka. (I'm just a lonely boy ...).

Was tun bei Katastrophen

fragt Augsburgs Landtags- und Stadtrats­mitglied Albert Schmid seinen Partei­freund und Innenminister Gerold Tand­ler. Schmid fällt auf, daß die Öffentlich­keit sehr wenig darüber unterrichtet wur­de, welche Mittel z. B. für Schutzräume in Eigenheimen und für mögliche Bezu­schussung zur Verfügung stehen. Schmid will diesbezügliche Informationen in eine der nächsten Ausgaben der Zeitschrift "BY" (Organ der Bayerischen Staatsre­gierung) veröffentlicht sehen. Ob er sich

VGA — behindert und beschädigt

Seit in Augsburg eine Verkehrsg. Augs­burg-Gersthofen besteht, hat man eine neue Sprachvariante für eine "Minderheit" (auch Randgruppe genannt) eingeführt. Es gibt seither bei Augsburgs öffentlichen Ver kehrsmitteln "Behinderte" und "Beschä­digte". Die Gersthofer brachten in diese Verkehrsehe die "Behinderten" mit und die Augsburger die "Beschädigten". Ge­meint sind die Schildchen bei den Sitzen, die sich in Nähe der Ausstiege von Bussen und Straßenbahnen befinden. Die fehlende Kenntnis über eine leidgeprüfte Personen­gruppe ist durch Ignoranz und einer der VGA eigenen Sprachauslegung ersetzt worden. Ist das Wort "Schwerbehinderter" schon reichlich schwammig, so ist das Wort "Schwerbeschädigter" doch eine Herausforderung. Was ist denn überhaupt ein "beschädigter" Mensch? Unfallautos. Straßen nach Frostaufbrücken, Häuser und Gebäude nach Erdbeben oder Felder und Wälder nach Einfallen von Schädlin­gen sind meist "schwer beschädigt". Ein Mensch kann niemals beschädigt sein. Aber warum soll man Fahrgäste (um sol­che handelt es sich nämlich, wenn sie auch auf den Schildern in den Straßenbahnen und Bussen nicht so angesprochen werden), die ohnehin nur den "Ganzen" und intak­ten Mitfahrern den bequemen Platz an der Türe wegnehmen, gar noch höflich und freundlich umgehen. Einige Personen der VGA scheinen den Griechen Perikles (Athe­ner Politiker) zu kennen: Der sagte etwas abgewandelt: "Bei uns heißt einer, der (meist) kein Fahrgeld zahlt, nicht Fahr­gast, sondern Beschädigter." J.S.

GESCHÄFTE

Kunstwerke aus Steinkohle

Daß Steinkohle nicht nur Energiespender und Basiselement für eine Vielzahl wichti­ger Produkte ist, beweist eine Ausstellung, die ab 28. Mai 1979 in der Schalterhalle der Dresdner Bank, Holbeinstraße, gezeigt wird. Erstmals in der Bundesrepublik wer­den rund 80 aus Steinkohle gefertigte Kunstgegenstände - Vasen, Skulpturen, Reliefs, Zier- und Gebrauchsgegenstände - ausgestellt, die Bildhauer gefertigt ha­ben.

Steinkohle als Rohmaterial fur bildhaueri­sche Kunst ist für die breite Öffentlichkeit eine verblüffende Neuigkeit, wenngleich auch schon seit vielen Bergwerksgeneratio­nen künstlerisch begabte Kumpels versuch­ten. dem schwarzen Gold lebendige Form abzuringen.

Die von dem Augsburger Kurt-H. Pomme zusammengetragenen Ausstellungsstücke werden erstmals der Öffentlichkeit vorge­stellt.

Die Ausstellung wurde am 28. Mai 1979 um 10,00 Uhr von dem Bundestagsabge­ordneten Herrn Stephan HOnfinget der selbst jahrelang im Bergwerk tätig war, eröffnet.

Augsburg hat einen neuen Papierladen

Es scheint so, als würden doch einige Lich­ter aufgehen, um die noch triste Umwelt­landschaft zu erhellen. Bundestag, Berliner Senat, Bayerisches Umweltministerium und sogar die Schweizer zu ihrer Volksab­stimmung verwenden seit neuem Umwelt­schutzpapier. Mit jedem Umweltpapier­blatt schreibt man nicht mehr auf Kosten der Natur. Das schmale Angebot an Um­weltpapier in Augsburg, ließ bisher die "Schreiber" auf herkömmlichem Papier verweilen.

Johannes Biehler und Gerhard Wimmer haben mit einem kleinen Laden in der Alt­stadt diese Lücke geschlossen. Bei ihrer Arbeit im Jugendzentrum ist ihnen der große Papierverbrauch im Verwaltungsbe­reich aufgestoßen. Sie wußten von dem enormen Unterschied bei der Herstellung von gewöhnlichem Papier, im Gegensatz zu Recyclingpapier, das zur Herstellung nur Altpapier, bedeutend weniger Holz und Wasser erfordert. Tatkräftig suchten sie einen Laden, machten Umweltschutz­papierlieferanten ausfindig und beschlos­sen Graupapierhändler zu werden.

Die beiden Ladeninhaber fühlen sich durchaus konkurrenzfähig mit ihrem grauen Papier. J. Biehler meint dazu: "Bei uns kostet ein Schreibblock genau­so viel wie woanders."

Ringbucheinlagen (50 Bl. 1,25), Kuverts (50 St. 1,50 DM), Schreibblock (75 BI. 2,30 DM), Schreibmaschinenpapier (500 BI. 6,50 DM), dazu auch graues Tipp-Ex erhältlich, Notizblock (100 81. 1,20 DM) und anderes Blattwerk, liegen

in Regalen gestapelt zum Kauf feil. Papyrus Mo, Mi, Fr: 10- 17 Uhr
Vorderer Lech 9 Di, Do: 14- 18 Uhr

Fiesta '79 in Schwabmünchen

Am 16.6.1979, ab 17.00 Uhr findet in Schwabmünchen am Wasserturm eine Fiesta statt. Das Programm umfaßt neben Rumbas, Gitarras, Sevillanas auch einen großen Tanzwettbewerb, bei dem Preise verteilt werden. Außerdem werden eine Flugreise nach Spanien, 1 Paella für 4 Per­sonen im spanischen Restaurant „Tio Pepe" sowie ein Tanzkurs für 2 Personen des Ballettstudios Svoboda Braun Schwab­münchen verlost. Die 10,00 DM Eintritt beinhalten auch das 1. Getränk. Zum Essen gibt's Krabben vom Grill, Lammkotelett, und Bratwürste.

Ein „Danke schön"

besonderer Art überreichten die FORD- Werke Köln dem Verkaufsteam des Auto­hauses Langer in Gersthofen in Form einer viertätigen Flugreise nach Lissabon, der Hauptstadt des Urlaubsparadieses Portu­gal.

Im Rahmen eines Verkäuferwettbewer­bes, der für alle FORD-Betriebe des Bun­desgebietes ausgeschrieben war, konnten sich die Damen und Herren der Verkaufs­abteilung durch ihre Leistungen im Be­reich der Kundenbetreuung ihren „Platz an der Sonne Portugals" sichern. Dieses kostenlose Urlaubsvergnügen wurde durch ein buntes Rahmenprogramm er­gänzt, welches die Abende durch Tanz, Unterhaltung und Folklore abrundete.

Verfolgung der Schwarzarbeit

Im III. und IV. Vierteljahr 1978 wurden von den Verwaltungsbehörden bzw. Ge­richten im Bezirk der Handwerkskammer für Schwaben in 36 Fällen Buß-Gelder in Höhe von insgesamt DM 37.420,- ver­hängt.

1.500,-- DM Betonstein- und Terrazzohersteller-Handwerk 

2.000,- DM Dachdecker-Handwerk

500,- DM Elektroinstallateur-Handwerk

500,- DM Fliesen-, Platten- und Mosaikleger-Handwerk 300,- DM Friseur-Handwerk

150,- DM Gebäudereiniger-Hand­werk

1,400,-DM KraftfahrzeugmechanikerHandwerk

3.700,- DM Maler- und Lackierer-
Handwerk

19.480,-DM Maurer-Handwerk

1.500,- DM Rolladen- und Jalousiebauer-Handwerk 1,000,-DM Raumausstatter-Handwerk 2.000,- DM Spengler-Handwerk

800,- DM Schlosser-Handwerk

500,- DM Schreiner-Handwerk

500,- DM Straßenbauer-Handwerk 1,500,-DM Stukkateur-Handwerk

190, -DM DM Zen tralheizungs- und Lüftungsbauer-Handwerk

37.420,- DM insgesamt


Kennen Sie Europa

EUROPA-QUIZ 1979

Am 10. Juni 1979 wählen alle Euro­päer ihre Abgeordneten für das Eu­ropäische Parlament. Als pflichtbe­wußter Wähler sind Sie sicher auf dem Laufenden über den Europa­wahlkampf, über die Argumente der verschiedenen Parteien und über die Bedeutung dieser Wahl. Aber kennen Sie sich auch etwas in Europa aus? Was wissen Sie von Italien, von Ir­land, Luxemburg oder den Nieder­landen?

Mit unserem Europa-Quiz wollen wir Ihnen ein bißchen auf den euro­päischen Zahn fühlen. Spitzen Sie Ihren Bleistift und legen Sie ohne Vorbereitungen los. Zehn Fragen zu Europa sind zu beantworten. Acht davon sollten Sie als guter Europäer lösen können, wenn Sie weniger her­ausgebracht haben, sollten Sie sich noch ein bißchen um "unser" Euro­pa kümmern. Wer weniger als vier Fragen richtig beantwortet hat, soll­te sich in nächster Zeit am Stamm­tisch oder am Arbeitsplatz noch ruhig verhalten, wenn es um Europa geht. Und nun geht's aber los. Drei Antworten zur Auswahl, eine davon ist die richtige. Die Antworten fin­den Sie auf derselben Seite. Viel Glück!

1. Welches europäische Land hat die meisten Einwohner?

·Frankreich

·Bundesrepublik Deutschland

·Italien

2. Welches europäische Land hat die höchste Preissteigerungsrate 1978?

·Dänemark

·Frankreich

·Italien

3. Welches europäische Land hat die geringste Arbeitslosenquote 1978?

·Belgien

·Luxemburg

·Dänemark

4. Dänemark hat die höchste Frauen­berufstätigkeit. Was glauben Sie, wieviel % der Frauen dort berufs­tätig sind?

·20%

·30 %

·40 %

5. Wieviele Mitglieder wird das Eu‑
ropäische Parlament nach dem

10. Juni haben?

·210 Mitglieder

·410 Mitglieder

·610 Mitglieder

6. Wieviele davon entsendet die Bun­desrepublik Deutschland?

·81 Abgeordnete

·91 Abgeordnete

·101 Abgeordnete

7. Wieviel Stimmen kann jeder Wäh­ler am 10. Juni abgeben?

· drei Stimmen (Regional-, Natio­nal und Europaliste)

· zwei Stimmen (National- und Europaliste)

·eine Stimme (nur Nationalliste)

8. Kann ein Abgeordneter des Euro­päischen Parlaments gleichzeitig Abgeordneter des Deutschen Bundestags sein?

· Nein, es geht nur eine der bei­den Möglichkeiten

ClJa, das ist möglich, aber nicht Pflicht

· Ja, jeder Abgeordnete des Eu­ropa-Parlaments muß gleich­zeitig Abgeordneter des Deut­schen Bundestags sein.

9. Europa wählt nach dem "Verhält­niswahlrecht". Was heißt das?

· Diejenige Partei, die die mei­sten Stimmen erhält, stellt alle Abgeordneten für das Europäi­sche Parlament

· Jede Partei entsendet soviel

Abgeordnete, wie sie prozen­tual an Stimmen erhalten hat

· Es werden diejenigen Kandida‑

10. In welcher Stadt befindet sich der Sitz des zukünftigen Euro­päischen Parlaments?

· Straßburg

· Brüssel

· Den Haag

Kurt Idrizovic




Vermieter weigert sich, kaputte Heizanlage zu reparieren.

Wer motzt,kann gehn! 


"An die geschätzten Mietparteien im I lau­se Neidhartstraße 18". Zu solch unterwür­figen Tönen sah sich Vermieter Josef Eser aus Fürstenfeldbruck veranlaßt um den 24 Mietparteien die Heizkostenabrechnung 1977/78 schmackhaft zu machen. Die im Oktober letzten Jahres abgesandte Rech­nung löste bei den "Geschätzten" mehr als Verwunderung aus. Bei genauer Prü­fung und Vergleichen mit früheren Ab­rechnungen stellten sie fest, daß sich ihre Heizkosten um mehr als 62 % erhöht hatten. Das wollten sie nun doch nicht hinnehmen. Die so Geprellten schlossen sich zu einer Hausgemeinschaft zusam­inen und baten den Vermieter, er möge

Der Trockenraum wird zur Gas­kammer.

doch die Erdgasanlage überprüfen lassen. Wenn die Erklärung eines Fachmannes vorliege, daß die Heizanlage in ordnungs­gemäßem Zustand sei, wolle man die Heiz­kosten umgehend begleichen. Die Stadt­werke Augsburg, von den Mietern um Rat gebeten, kamen zu Hilfe: Experte Amberger hatte "keine Erklärung für die Preissteigerung" parat und empfahl eben­falls "die Heizanlage durch eine qualifizier­te Heizungsfirma überprüfen zu lassen". Gründe für die Vermutung, daß die Heiz­anlage nicht funktioniere, gibt es genug. Nicht nur daß Heizungsmonteure bei routinemäßigen Überprüfungen stutzten ("entweder falsch eingestellt oder eine falsche Heizung"), auch im Trockenraum roch es des öfteren nach Gas, was die vom Vermieter eingesetzte Hausmeisterin mit betonter Lässigkeit ("dann machen wir halt das Fenster auf!") quittierte. Gegen eine Überprüfung der Anlage sträubte sich der Hauseigentümer zwar grundsätzlich nicht, doch sollten die Kosten die Mieter

Dann kam die „persönliche Tour"

selbst übernehmen. Hier sträuben sich al­lerdings die Gerichte. In einem ähnlichen Fall in Würzburg entschied der zuständige Richter, daß für undichte Heizung allein der Vermieter zuständig ist. Das Gericht hatte einem Mieter recht gegeben, der sich unter Hinweis auf eine "undichte Zentral­heizung" geweigert hatte, die ihm für ein Jahr vorgelegte Heizkostenrechnung voll zu zahlen (Aktenzeichen: C 111/77). Nachdem der Vermieter auf diese Weise nicht zu seinem Geld kam, versuchte er es auf die "persönliche" Tour. Vor gut zwei Monaten schneite er der Mieterin Elisa­beth Ohnesorge in die Wohnung und drängte sie zum Kündigen der Wohnung. Wenn ihr etwas nicht passe, könne sie ja ausziehen, er hätte da nichts dagegen. Auch diese neue Variante der Mieterbe­einflussung ließ die Mieter nicht umfal­len. Nach wie vor drängte man auf Über­prüfung der Heizanlage.
Vorläufiger Höhepunkt dieses Mieterpro­testes war die Ankündigung des Hausei­gentümers, ab Juli 1979 die Miete zu er­höhen. Statt wie bisher 324,— DM sollen

Gutachten begründet Mieterhöhung

ab Juli 1979 356,— DM Miete bezahlt wer­den. Begründet wurde die Mieterhöhung mit einem "Gutachten zur Anpassung der Wohnungsmieten im Hause Neidhartstraße 18". Gutachter R. Ilirschbeck hält darin eine Anhebung der Miete "in jedem Falle für gerechtfertigt." Bis 31. Mai 1979 müs­sen die Mieter für diese Mieterhöhung ihre Zustimmung abgegeben haben. Diese je­doch wollen von einer Erhöhung der Mie­te nichts wissen, bevor der Hauseigentü­mer nicht seinen gesetzlichen Pflichten nachkommt.

Streit zwischen Hauseigentümer und Mie­ter gibt es wohl schon seit dem Zeitpunkt, an dem der erste Vermieter Wohnung ver­mietete. Geändert haben sich allenfalls die Methoden, mit denen Vermieter gegen aufmüpfige Mieter vorgehen. Waren es früher schlichte Drohungen der Kündigung, so bedienen sich heute "moderne" Haus­eigentümer raffinierterer Wege, um zu mehr Profit zu kommen. Kaputte Hei­zungsanlagen, wie im vorstehenden Fall beschrieben, dienen noch allemal dazu, den gutgläubigen Mietern auf der Brief­tasche zu sitzen. Unterstützend ist dabei die immer formaler und für den normalen Bürger unleserlich gewordene Rechnungs­legung. Abrechnungen, die nicht mehr zu überprüfen sind, lassen mißtrauische Be­wohner nicht zu Unrecht stutzig werden Neu daran ist die immer stärker werdende Bewegung der Bewohner, sich nicht von Drohungen und Einschüchterungsversu-. chen allzu selbstherrlicher Vermieter ein­schüchtern zu lassen. Das Pochen auf die gesetzlichen Verpflichtungen und der (früher gern gescheute) Weg zum Rechts­anwalt zeugen von einem immer stärker werdenden Selbstbewußtsein der Mieter. Die dem Vermieter oft fälschlich zuge­dachte Rolle als Samariter auf dem Woh­nungsmarkt zerbröckelt zurecht.

Kurt Idrizovic



Mr. One Million

Max Gutmann
Auf einer Weltreise, so sagt er, habe er so­viel Armut und Elend gesehen, daß er es sich überlegte, was er persönlich tun konn­te, um denjenigen zu helfen, die diese Hil­fe nötig haben. Er, das ist Max Gutmann, Besitzer eines der renomiertesten Augs­burger Herrenoberbekleidungsgeschäfte. Selbst einmal unterstellt, diese Love-Story der Nächstenliebe ist so ganz wahr nicht und der geschäftstüchtige Schwabe hätte hier nur einen ganz raffinierten Dreh ge­funden, für sein Bekleidungshaus die Wer­betrommel zu rühren. Was er geleistet hat, ist selbst dann anerkennenswert. Schließlich war Max Gutmann es, auf des­sen Initiative die Datschiburger Kickers gegründet wurden und unter dessen Führung diese Kickers in nunmehr 15 Jahren eine Million Mark zur Unterstützung be­dürftiger Personen und sozialer Einrichtun­gen zur Verfügung stellen konnten. Wie un­gewöhnlich dies in einer Zeit ist, in der nur allzu gerne alle anfallenden Aufgaben im Bereich der sozialen Hilfestellung dem Staat zugeschoben werden, zeigen zum ei­nen die zahllosen Ehrungen, die Max Gutmann zuteil wurden (Bayerischer Verdienst­orden, Bundesverdienstkreuz etc., etc.), zum anderen, das überregionale Interesse, das den Datschiburger Kickers entgegen­gebracht wird. So waren denn auch alle Redner auf dem Empfang, den die Stadt Augsburg Mitte Mai zu Ehren der Datschi­burger Kickers und ihres Kapitäns gab, des Lobes voll über den selbstlosen Ein­satz Max Gutmanns und seiner Mannen. Überraschend nur, daß alle Redner zwar das soziale Engagement der Beteiligten lob­ten, aber daß in keinem der Beiträge den Datschiburger Kickers für die Zahlreichen schönen und unverkrampften Spiele ge­dankt wurde, an denen sich schon tausen­de von Zuschauern erfreut haben und so fast unbewußt ihr Schärflein zu der jetzt stolzen Summe von einer Million beigetra­gen haben. Gab es in den Spielen doch ne­ben lokaler Prominenz (oder die, die sich für solche hält) auch immer wieder be­kannte Fußballnationalspieler (Franz Beckenbauer, Günther Netzer, Helmut Haller u. a.) zu bewundern, die den Spielen auch einmal sportliche Glanzlichter aufzustek­ken vermochten. Mit seinen zahlreichen guten Kontakten gelang es Max Gutmann im Rahmen bunter Abende das Wirken der Kickers vom grünen Rasen auf das Par­kett der Ballsäle auszudehnen. Auch hier vermochte er Größen aus Show und Sport für die gute Sache zu gewinnen. Mit den Erlösen aus den Veranstaltungen, die im übrigen zweckgebunden sind — d. h. sie dürfen nur zur "Unterstützung hilfsbe­dürftiger und kranker Personen sowie zur Förderung von Körperschaften, Stiftungen und Anstalten mit sozialen Aufgaben" (aus der Satzung der Datschiburger Kickers) —, wurden vom Amazonas (für die dortige katholische Missionstätigkeit) bis zum Inn (Unfallrettungsstation in Innsbruck) zahlreiche soziale Einrichtungen mit Geld- und Sachspenden bedacht.

Daß sich das Wirken Max Gutmanns nicht nur auf solch publicity-wirksamen Auf­tritte beschränkt, hat er LUEGINSLAND im Mai 78 bewiesen. Auf die Bitte hin, im Endspiel um den LUEGINSLAND­Cup als Schiedsrichter zu fungieren. zier­te er sich nicht lange und sagte zu. Max kam und pfiff. Auch dafür herzlichen Dank.

Aufsteiger des Jahres

Welch eine ungewöhnliche Begabung dem Augsburger Fußball mit der Abwanderung des 19jährigen Bernd Schuster verloren ging, belegt der märchenhafte Aufstieg des Ex-Jugendnationalspielers. Nach nur einer Saison heim 1. FC Köln gelang dem Talent aus der Hammerschmiede der Sprung in die deutsche Nationalmannschaft. War B. Schuster vom FCA noch für 150.000 DM an die Rheinländer abgegeben worden, so dürfte er jetzt an der Bundesligabörse schon nahe an der Millionengrenze "ge­handelt" werden.


Am Scheideweg

War es nun die Ausweglosigkeit der sport­lichen Situation, die Angst der Ligaaus­schuß würde die Lizenz sowieso nicht mehr erteilen, wollte man gar der Stadt ob des verweigerten 100.000 DM-Zuschus­ses den Schwarzen Peter im Abstiegsspiel in die Schuhe schieben (frei nach dem Motto: "im Felde unbesiegt"), oder war es tatsächlich die Einsicht, daß es so nicht mehr weitergehen konnte, ein freiwilliges Luftholen in der Bayernliga dem Augs­burger Fußball nur gut tun könnte. Sei es wie es sei. — Der FCA war und ist auf dem richtigen Weg. Es war richtig und gut, die Mannschaft radikal zu verjüngen, den Nachwuchs in die Lizenzspielermann­schaft einzubauen. Dieser Einbau, obwohl ja nicht ganz freiwillig vollzogen, wird in der Zukunft das Plus des Augsburger Pa­radeclubs sein. Bieten sich doch in den Reihen der A-Jugend, die auf dem besten Weg ist, den im Vorjahr errungenen Titel eines Südbayerischen Jugendmeisters er­folgreich zu verteidigen, einige große Ta­lente an (A. Veh, M. Trieb, J. Haller).

Helmut Angeli



Um den zahlreichen Industriekanälen den Industriecharakter zu verwässern, stiegen in Inningen zwei Redaktionsmitglieder in ein Schlauchboot mit dem Ziel, die Strek­ke Inningen-Fimhaberau, ohne häufiges Wehmingehen zu durchpaddeln.
Ferdinand Magellan oder wie er portugie­sisch richtig heißt Fernao Magalhaes, der Entdecker der Meeresstraße zwischen Pa­tagonien und Feuerland am nördlichsten Zipfel Südamerikas, benötigte für seine, in die Geschichte eingegangene Entdeckungs­fahrt, fünf Schiffe, 265 Matrosen und avantgardistischen Mut. Ein Neckermann- Schlauchboot, einen radelnden Fotogra­phen mit Späheraufgaben, zwei Paddel und gegenseitig zugeredeter Mut waren die Begleiter unserer Expedition.
Die Vermessenheit, eine Verbesserung der Verkehrsstruktur zu erreichen, wie etwa der Ratschlag an die Inninger Bürger ihr Auto in der Garage zu lassen und per Ru­derboot zur Arbeit zu schiffern, lag eben­so fern wie der Gedanke, einen neuen Seeweg (Die LUEGINSLAND-Straße)
zu entdecken. 

Abenteuertrieb

Die Motive für dieses nasse Unternehmen lagen näher bei den Inten­sionen des Neuseeländers Sir Edmund Hillary, der die Frage nach dem Sinn sei­ner Mount Everest Erstbesteigung immer mit einem bergsteigerphilosophischen "Weil-er-da-ist" beantwortet.
Einfach weil er da ist und damit eine un­widerstehliche kanalhafte Reizung des un­befriedigten Paddelboot-Abenteuertriebes darstellt, befreiten wir an einem Samstag­vormittag unser Schlauchboot aus seinem Kellerdasein. Die Singold, ein idyllisches Feld- und Flurbächlein, bot uns bei In­ningen einen idealen Ablegeplatz. Nach kurzer, kartographischen Besprechungen starteten wir zur ersten städtischen Odysee.
Am Moos lecken
Unseren unermüdlichen Bemühungen. je­des Körperteil innerhalb der Bordwände zu halten, ermöglichte die Durchfahrt un­ter Brücken, deren Konstruktion nur auf den Kraftfahrzeugverkehr zugeschnitten ist. Der Abstand zwischen dem krampf­haft auf dem Boden gepressten Kopf und der darübergleitenden Betonwand ist oft so gering, daß es ein leichtes wäre, am üppig wuchernden Moos zu lecken.


Richtung Göggingen paddeln

Die Angst um ein abgeschabtes Nasenspitz­ehen verfliegt rasch. Die Brücken nehmenau flugsfreundliche Formen an und die Sin­gold trägt uns in ein Gefilde, dessen Pano­nuna die Umschreibung paradiesisch ver­dient. — Enten flattern dicht über unsere Köpfe hinweg, Schwalben und Forellen wetteifern auf der Suche nach den spärlich vorhandenen Mücken. Krähen, auf blütengeschmückten Bäumen sitzend, blicken verwundert auf unser gelbes Pla­stikboot. — Die lärmende Kreissäge der Schreinerei Erhard holt uns von unserer mikroskopischen Naturbetrachtung zu­rück zur Wirklichkeit. Wir umgehen die ehemalige Radaumühle, setzen wieder ein und paddeln weiter Richtung Göggingen. Natürliche Umgebung läßt trügerische Ausflugsstimmung aufkommen

Die Großstadt naht

Die Landschaft ändert sich. Häuser und Schrebergärten säumen das Kanalufer. Klei ne Staustufen, deren Überwindung sich als Riesenspaß entpuppt, sind für die durch­näßte Kleidung verantwortlich. Die Ge­räuschkulisse anfahrender Autos verrät die Nähe der Großstadt. Das melancholische Moment wird verdrängt, abenteuerlicher Kämpfermut macht sich breit. "Das Boot nur bei akuter Lebensgefahr verlassen", ist die Order Kapitän Peters.

Der schneller fließende Kanal verleiht uns Kanugeschwindigkeit. Mit olympiareifer Geschicklichkeit bugsieren wir das Boot durch Kabelstränge und Fangrechen. Ein Betriebsgelände wird passiert, dessen Aus­fahrt durch einen undurchschaubaren Schacht führt. Dominik, der Späher gibt sein "Okay". Mit Schlotterknien rasen wir ins Ungewisse. Finsternis und muffiger Geruch kennzeichnen die "Betriebshöhle." Tageslicht und Wasserrauschen lassen uns einen Abgrund vermuten. Die letzte Links­biegung und wir blinzeln in ein ruhiges Bächlein. Der durch den betonverstärk­ten Schall angenommene Viktoriafall entlarvt sich als eine etwas größere Welle.

Tückische Strudel

Nun kommt's dick; das Wehr der Göggin­ger Nähfadenfabrik erweist sich als erstes ernstzunehmendes Hindernis. Nach kurzer, schnell beigelegter Meinungsverschieden­heit beschließen wir, auch diese Hürde nicht zu umgehen. Wie zwei Canadier schießen wir über den zwei Meter hohen Fall hinaus und plumsen,ohne zu kentem, auf das schäumende Wasser, das uns zu­rückwirbelt und umstülpt. Tückische Stru­del haben mich kurz in der Macht, drücken mich nach vom, wieder zurück, iääll un­ten und schließlich nach oben, wo mich der Käpt'n bereits erwartet.

Wer den Schaden hat ...

Nachdem die Paddeljagd erfolgreich ver­lief, galt es nun, das Boot aus dem Kehr­wasser zu befreien. Der völlig verdutzte Pförtner der Ackermann AG, leiht uns eine überdimensionale Holzstange. Schau­lustige beobachten mich, nur noch in Unterhose bekleidet, beim Bootsfischen. Heimlich verfluche ich die gewitzte Ver­käuferin, die mich zum Kauf dieser an­geblich modischen, fleischfarbenen Unterhose animierte. Eine popige, bade­hoseähnliche wäre mir jetzt lieber. Nach längeren, nicht ganz ungefährlichen Be­mühungen gleitet das Boot aus der kriti­schen Zone. Weiter geht die Fahrt mit verstärktem Willen, das gesetzte Ziel, die Wolfszahnau, zu erreichen.

Endlich am Ziel

Die Sonne trocknet schnell das Wasser von der Haut, und bekommt es nun mit Schweiß zu tun, den die körperliche Ak­tivität erzeugt, die nötig ist, um die knapp über dem Wasser angebrachten Holzstan­gen zu unterqueren.

Endlich saugt uns der gemächliche Wer­tachkanal auf und leistet friedliche Trans porterdienste . Das Kraftwerk an der Schießstättenstraße zwingt uns zur unse­ren zweiten Umgehung. Ohne große Schwierigkeiten, wenn man von den fla­cher werdenden Brücken absieht, errei­chen wir die Pferseer "Goggelesbrücke", wo wir müde und erschöpft in die fast wasserleere Wertach einsetzen. Nach vier­stündiger Fahrt von Inningen über Gög­gingen — Pfersee Kriegshaber — Ober­hausen zur Firnhaberau treiben wir glück­lich, nach Kot stinkend, sicher dem Ziel entgegen.

Siegfried Zagler und Peter F. Fischer



Hochschul
News


Ost und West in der christlichen Kirche des 4. und 5. Jahrhunderts.

Dies war das Thema der Augsburger An­trittsvorlesung am 11. November 1976, mit der damals die Vortragsreihe „Euro­pa — Idee und Wirklichkeit'. im Oberen Fletz des Rathauses eröffnet wurde. Ge­halten wurde diese Vorlesung von Herrn Professor Dr, Gunther Gottlieb, ordent­licher Professor für alte Geschichte, des­sen Beitrag im vergangenen Jahr nun auch als Schrift der Philosophischen Fachberei­che der Universität Augsburg erschienen ist.

Das Buch, um einige Anmerkungen er­gänzt, behandelt recht ausführlich und einleuchtend die Zusammenhänge und Hintergründe der Gegensätze zwischen Ost und West. Als Einleitung gibt Prof. Dr. Gottliebs Veröffentlichung eine kur­ze Schilderung des 4. und 5. nachchrist­lichen Jahrhunderts, um dann, vor der genauen Ausführung von vier Themen (Die Gründung von Constantinopel; den arischen Streit; die Stellung des Bischofs von Rom und die Lage in Gallien im 5. Jahrhundert) an denen er das Verständ­nis für die übergeordnete Frage vertiefen will, einige Voraussetzungen festzuhalten. Diese Voraussetzungen bestehen in der Erläuterung der Verhältnisse und Ein­flüsse in den Kirchen des Ostens und We­stens. Die Ausführung seiner gewählten Themen beginnt Prof. Dr. Gottlieb, in­dem er

Die Gründung von Constantinopel erläutert, die in hohem Maße zum Gegen­satz zwischen Ost und West in der Kirche beigetragen hat. Kaiser Constantin hatte die neue Stadt zu einer Rivalin Roms ge­macht, ihre Verwaltung war die gleiche wie auch dem Senat dieselbe Ehrenstel­lung zukam. So wurde dann auch durch die Gründung Constantinopels der geisti­ge Widerstand des Ostens neu belebt. Die Christenheit konnte sich erstmals voll entfalten. Die Stadtgründung war also mitverantwortlich für die Teilung des Reiches in Ost und West. Auch auf die kirchliche Welt hatte die Gründung ih­ren wesentlichen Einfluß. Im Osten gab es neben den Kirchen von Alexandria, Antiocheia und Jerusalem nun auch die Kirche Constantinopels. Im Westen be­herrschte nach wie vor die römische Kir­che, Apostelkirche und Kirche der alten Hauptstadt zugleich — die Kirchenwelt. Doch ein Konflikt entstand erst, als die Bischöfe von Constantinopel nach Gleich­stellung mit dem Bischof von Rom streb­ten.

Der nächste von Prof. Dr. Gottlieb ange­griffene Punkt, der die Gegensätze zwi­schen Ost und West vertiefte, war

Der arische Streit

dessen wichtigstes Ergebnis die Freiheit der Kirche war. Die Ausführungen und Erklärungen des Sachverhaltes sollen hier nun unterlassen bleiben. Interessierten bleibt der Griff zum Buch.

Das 3. Thema Prof. Dr. Gottliebs Schrift ist

Der Bischof von Rom

der viel zu einer lateinischen, abendländi­schen Kirchentheorie beigetragen hat. Den Bischöfen von Rom ging es darum, für eine in Ost und West einheitliche Kir­che zu sprechen. Der Westen erwartete, daß der Osten bei allen Fragen (Einberu­fung eines Konzils, dessen Durchführung Ost und West immer stärker trennte, Glaubensfragen) auf die Entscheidung des Bischofs von Rom vertraute.

Das Schluß-Thema bildet der Blick auf

Gallien

das am meisten betroffen war vom äuße­ren und inneren Wandel der westlichen Reichshälfte; obschon die Kirchen Galli­ens die Autorität des Bischofs von Rom weder im 4. noch 5. Jahrhundert ange­zweifelt haben.

Am Ende seines Buches faßt Prof. Dr. Gottlieb noch einmal das Wichtigste zu­sammen. Er hebt die Grundgedanken her­vor und schließt mit ein paar Sätzen, die den Leser zum Nachdenken anregen sol­len.

Folgendes sei noch gesagt: Natürlich ist solch ein Themenbereich nicht jeder­manns Sache, doch hier hat jemand eine Arbeit geleistet, die allen verständlich und einleuchtend dargelegt wird. Doch ist es auch hierbei sehr wesentlich, daß man mit Interesse zu lesen beginnt.

Schriften der Philosophischen Fachberei­che der Universität Augsburg Gunther Gottlieb

Ost und West in der christlichen Kirche des 4. und 5. Jahrhunderts

1978, 26 Seiten, Brosch. DM 6,50 




DASTHEMA


Disco-Flucht in die Scheinwelt?

Disco Welle, auf diesen Wogen schwim­men die Industrie und cleveren Geschäfte­macher. Hier wird einer manipulierten Masse beigebracht, daß es in der Disco möglich ist, dem Alltag zu entfliehen und sich für ein paar Stunden von sich selbst zu entfernen. Hier ist die Flucht aus dem täglichen Zwang unserer Leistungsgesell­schaft offenkundig. In einer Scheinwelt von "technischer Musik" und Lichtorgien werden die Menschen ihrer Probleme für Stunden entrückt. Gefährlich erscheint nur der Umstand, daß dieses offensicht­liche Bedürfnis von kaltrechnenden Ge­schäftsmachern erkannt und für ihre Zwecke ausgeschlachtet wird. Es ist ein

Spiegelbild unserer verzerrten Gesellschaft, daß in einer Scheinwelt vorwiegend die Jugend ihre Probleme kurieren soll. Si­cher ist es nicht von ungefähr, daß gerade die hohe Jugendarbeitslosigkeit mit der Discowelle zusammenfällt.

Wo anders als in der Disco ist es dem Ju­gendlichen möglich, sich zu interpretieren. Wenn er keine Arbeit hat und tagsüber zur Untätigkeit und Langeweile verurteilt ist, umsomehr wächst das Bedürfnis, etwas darzustellen. Abend's in der Disco ist dann die Flucht in den scheinbaren Er­folg möglich. Hier ist auch die Vereinsa­mung erträglich, die heute unsere Gesell­schaft schafft. Genausogut kann der Schü­ler dem Leistungsdruck entfliehen, für Stunden in einer irrealen Welt leben. Was also ist schlecht am Disco-Fieber? Nur der Umstand, daß es einer Industrie vorbe­halten ist, Bedürfnisse zu erkennen und in Geld umzusetzen. Wo es sich um Spaß und Ausdruck von Lebensfreude handeln sollte, wie es bei einer intakten Gesell­schaft der Fall wäre, ist es ein Zeichen der Suche nach einer Welt mit besseren Um­weltbedingungen und nach mehr Mensch­lichkeit. Erst wer einmal Discotänzer mit starrem Gesichtsausdruck und traumhaften Bewegungen gesehen hat, begreift, wie leer die Menschen wirklich sind. Hier ist nicht der Trance-Zustand eines Naturmenschen eingetreten, hier spiegelt sich die Verloren­heit des modernen Menschen in seiner Welt wieder, die er immer weniger versteht. Eine Welt, die sich zwar verständigt, aber nicht mehr zueinander findet. Vielleicht ist die Wirklichkeitsflucht für viele eine Art Ersatzgottesdienst, die für eine kurze Zeitspanne Zufriedenheit und Gelöstheit bietet. Disco als Ausgleich für die tagtäg­lichen Probleme der Menschen. Ein Symp­tom unseres Versagens, eine gesunde Welt zu schaffen.

JR


Platten-Parade

Eine, für den Anfang erstaunlich gute Publikumsresonanz (fast 100 Zuschriften) hatten wir mit unseren, in den an der Plattenladenparade teilnehmenden Geschäften aushän­genden Kästchen, welche die für die Plattenverlosung so wichtigen Teil­nehmerkarten enthalten. Die Gewin­ner im Monat Mai, sowie die Teil­nahmebedingungen stehen unten im Kästchen.

AUGSBURGS PLATTENVERKÄU­FER WÄHLEN DIE 5 TOP LP'S

1) Dire Straits — Dire Straits (67)

2) Lene Lovich — Stateless (46)

3) Saga — Saga (44)

4) Sniff' ne The Tears — Fickle Heart (35)

5) Abba — Voulez — vous (33)

Leser-Lieblings-LP wurde ABBA: Voulez-vous

Weil wir bloß die neuesten Neuerscheinungen bei der PLATTENLADENPARADE hineinneh­men, fallen die alten LP's dementsprechend Schnell heraus. In Klammern ist die Position vom vorigen Monat angegeben. Neu ist auch das jetzige Punktesystem, nach dem die heiß­begehrten PLATTENLADENPARADEN-Plätze vergeben werden. Erstgenannte LP's von den Verkäufern erhalten 23, zweite 21, dritte 18. vierte 12, fünfte 5 Punkte. Aufgestockt wurde auch die Lieblingsplattenzahl, damit eine besse- re Abstufung gerät.

SCHALLPLATTEN ZU GEWINNENI!!

Also wieder mitmachen, dann gibt's auch eine LP. Bedingung ist: Karte an LLIEGINSLAND mit dem Titel und Gruppe Ihrer Lieblings-LP Unter den Neuerscheinungen im Mai (Einsende- schluß 20. Juni-Poststempel) oder Teilneh­merkarte. Ausgelost werden für Juni 9 LP's un­teralten Einsendern. Anschrift: LVEGINSLAND, Hermanstr. 3, 09 Augsburg

Wir danken allen teilnehmenden Firmen für ihre freundliche Unterstützung. Im Maihaben

folgende LUEGINSLAND-Leser eine LP gewon­nen: Irmgard Appel, Helge Lusche, Dimitra Ermentsi, Walter Korb, Felicitas Glas, Gabriele Müller, Alois Wüst, Frank Hästl, R. Widmann.

Thomas Hammerl


Seitdem die gelernte Verkäuferin ihre er­ste LP gekauft hat (Humble Pie — Perfor­mance-Live at the Fillmore/1971) ist eini­ge Zeit vergangen und so ist auch ihre Plat­tensammlung inzwischen auf stattliche

700 Stück angewachsen. Privat hört sie gerne Saul und Popmusik, sowie unter den aktuellen LP's "Saga" und "Red Baron". — Schlechteste LP unter den Neu­erscheinungen ist ihrer Meinung nach

"Ian Dury - Do it yourself", die sie einfach "stupide" findet. — Die neue Pointer Sisters Single "Fire" betrachtet sie als beste Neuerscheinung unter der kleinen Platte, da diese a) einen guten Sound hat und b) gut tanzbar ist

Werner Herrmann von GD:
Saga — Saga; Toto — Toto; Dire Straits — Dire Streits; Sniff' n'The Tears — Fickle Heart; Abba — Voulez vous.

Brigitte Tschöcke/Lupo Hein von GOVI:
Lene Lovich — Stateless; Tubes — Remote Con­trol; Roxy Music — Manifesto; Frank Zappa — Sheik Yer Booty; U. Lindenberg — Livehaftig. 

Elvira Knauer von Musik Durner:
Red Baron — Baranoia; Sparks — No. 1 in heaven; Steve Hackett — Spectral Mornings; Inner Circle — Everything is me; lan Hunter — Vou're never alone

Frau Mair: von Karstadt:
Lene Lovich — Stateless; Sweet — Sweet; lan Dury — Do it yourself; Gerry Raff erty — Night Owl; Chick Corea — Secret Agent

Karin Drechsel von Lauer + Schreinmiller
Bar — Keys-Light of Life; Peter Tosh-Bush Dom Ion Bohannon — Cut Loose; Bob Welch — ihres Heans; Thin Lizzy — Black Rose.

Birgid Zrenner von Neckermann:
Peter Maffay — Steppenwolf; Dire Streits — Dire Streits; Saragossa Band — Rasta Man; John Den­ver — Seine 20 größten Erfolge; Abba — Voulez vous.

Frau Klement von Quelle:
Abba — Voulez vous; Idee Gees — Spirits have flown; M.M's Earthband — Angel Station; Dire Streits — Dire Streits; John Denver — Seine 20 größten Erfolge
Frau Martin von MÜGRA/Lechhausen
Allman Brothers — Enlightened Rogue; Vangelis — The best of; J. Starship — Gold; Hollies — 53417704; U. Lindenberg — Livehaftig

Gisela Hosp von Zentralkaufhaus
Sniff'n'The Teers — Fickle Hean; Saga — Saga; Dire Streits — Dire Streits; Jan Hunter — Yau're never alone ...; Jörg Evers — Schluchtenflitzer.

Der Alkohol
bleibt draußen


Bekannt ist das Problem Jugendalkoholis­mus schon lange, genauso wie die Tatsa­che, daß die Preisgestaltung, alkoholfreie Getränke betreffend, in den allermeisten Lokalen an dieser Entwicklung nicht ganz schuldlos ist. Eine andere Misere ist die der Jugendzentren oder anders ausge­drückt, die Frage der Jugendlichen: "Wo sollen wir denn hin?" oder "Was sollen wir den tun?" Bei beiden wurde und wird der Ruf nach Abhilfe laut, die am besten von staatlicher oder städtischer Seite er­folgen solle. Das ist zwar der bequemste, wahrscheinlich aber auch der langwierig­ste Weg.

Daß es auch anders geht, beweist eine Ini­tiative von Jugendlichen aus der Hammerschmiede, die sich selbst um ihr "Jugend­zentrum" sorgten. Maßgeblich beteiligt daran war eine Gruppe der "Falken", die auch den Abenteuerspielplatz im nämlichen Stadtteil unterhalten. Aber irgendwann -werden auch die eifrigsten Spielplatzgänger älter und stehen dann vor der Situation, daß sie ihre Freizeit praktisch nur in teu­ren Kneipen und Diskotheken zubringen können. Damit wollte man sich jedoch nicht zufrieden geben und sann auf Ab- . hilfe.

Dies sah dann so aus, daß sobald ein geeig­neter Raum da war, man auf eine Stadt­teilversammlung der SPD spazierte und um Unterstützung bat. Dank des Engagements von Stadtrat Kirchner übernahm die Stadt Augsburg die Mietkosten. Nach einigen tausend Arbeitsstunden und unermüdli­chem Einsatz der Beteiligten war es dann Ende April soweit. Aus dem ehemaligen Friseursalon ist eine echte Alternative zu teuren Lokalitäten geworden. Die Arbeit teilt man sich im "Teeladen", und da nie­mand bezahlt werden muß, kann die klei­ne Gewinnspanne, die aus dem Verkauf von durchweg alkoholfreien Getränken stammt, wieder voll für andere Aktivitäten, wie z. B. Filmabende, verwendet werden. Seinen Zweck erfüllt dieser Jugendtreff anscheinend, denn er ist jeden Abend von Donnerstag bis Sonntag gut gefüllt, Montag bis Mittwoch sind der Gruppen­arbeit der "Falken" vorbehalten. Laut Aussagen der Initiatoren ist auch das Ver­hältnis zur Nachbarschaft, sowie der Rückhalt bei der älteren Generation sehr gut, Ausnahmen bestätigen die Regel, was auch durch die "fast ständige" Anwesen­heit eines Gastwirtes bekundet wird, des­sen "Wirtschaft" sich im selben Gebäude­trakt befindet.

Dietmar Egger



kulturmagazin
galerien


„Pop-Art" und anderes (Ausstellungen) Zur Zeit sind in den Augsburger Galerien folgende laufende Ausstellungen zu sehen: Der Kunstverein Augsburg stellt Pop-Art-Bilder der Jahre 1939 — 1979 von Fritz Käthe aus. Ausstellungsort ist der ehemalige Goldene Saal (Rathaus). Zur Einführung (6.6., 20 Uhr) spricht Dr. F. Mellighoff (Essen). (Bis 22.7.) In den Räumen der Universitätsbibliothek (Alter Postweg 120) findet bis 9.6. aus Anlaß der Europa-Woche eine Buch- Ausstellung unter dem Titel „Europa im Buch und Dokument" und „Europa Patria" statt.

3 Bildhauer (Gärig, Brooklyn, Jäger) zeigen Objekte in der Kellergalerie (Schaezlerpalais) bis zum 26.6. Seinen 50. Geburtstag beging Georg Bernhard (Kunstprofessor an der Fachhochschule) mit einer Ausstellung in der Galerie Re- klau (Lange Gasse 11)1 Bernhard, wegen seiner honorigen Beziehungen zur „Kunst- Welt" scherzhaft „Die Kulturmade" ge­nannt, macht langsam den Spruch wahr: Ein Auftrag fällt nicht weit von Bern­hard! (bis Juni). Die Galerie Beck (Froh­sinnstraße) zeigt Werke von Sven Knebel (bis Anfang Juni).

Zum Schluß noch etwas aus der Schmuck­galerie „Pichler" (Vorderer Lech 2) und Zeuggasse 13): Die Galerie Pichler befin­det sich ab sofort nur noch am Vorderen Lech 2. Bis zum 16.6. Achat-Arbeiten des Edelsteingraveurs Werner Lorenz zu se­hen („Deutscher Schmuck- und Edel­steinpreis Idar-Oberstein 1972").

"Pro Europa"

Meinungen und Graphiken junger Europäer. Parallel zu den Europa-Wahlen, der Wahl eines europäischen Parlaments, jenem wichtigen Schritt der Einigung, der die Europäische Gemeinschaft dem großen Ziel der Völkergemeinschaft noch näher bringt, bietet die Stadtsparkasse in einer Ausstellung allen Bürgern die Möglichkeit, die Gedanken unserer Landesnach­barn kennenzulernen. In allen 9 EG-Län­dern wurden junge Leute zwischen 15 und 20 Jahren nach ihrer Meinung und Einstellung zu einem gemeinsamen Euro­pa befragt. Künstler aller 9 EG-Länder setzten diese Europa-Vorstellungen in Bilder um. Das Ergebnis — Meinungen und Graphiken junger Europäer — zeigt jene aufschlußreiche Ausstellung, die ein breites Spektrum europäischer Meinungen darstellt. Ort: Filiale der Stadtsparkasse in der Karolinenstraße. Zeitraum: 30. Mai bis 29. Juni. In der Ausstellung werden per Stimmkarte die Besucher befragt, welche Graphik ihnen am besten gefällt. Unter den Teilnehmern werden dann 1000 Postermotive bzw. komplette Post­kartensätze der Ausstellungsmotive ver­lost.




NEUES AUS DER  KULTURLANDSCHAFT

literatur


Sitz: Hochschloß Hainhofen"

Die „grauen Eminenzen" sind ja nach An­sicht bestimmter Leute in Augsburg kaum noch zu zählen. Einer davon darf sich dieses Titels, der soviel zudeckt wie er aufdeckt, durchaus rühmen: Dr. Alfred Guggenberger. Der „Großprior des Ritter­ordens der Templer in Deutschland', angesehener Häusermakler in Augsburg und Autor („In den Krallen des deutschen Adlers") hat nun von der „Arbeitsge­meinschaft für Werbung. Markt- und Mei­nungsforschung" in Lugano den Buch­preis 1979 erhalten. Preisgekrönt wurde sein Buch „Die Templer im Wandel der Zeit" (AGU-Verlag, Augsburg).

Kultur im DGB-Haus

Jeden letzten Freitag im Monat treffen sich Kulturschaffende aus Augsburg und Umgebung, um über Theater, Literatur, bildende Kunst und Gesang gemeinsam zu diskutieren. Wer Interesse hat, der wendet sich an Christian Kneifel, Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller in der IG Druck und Papier, Augsburg, Neubur­ger Straße 24 oder schaut direkt beim DGB-Haus vorbei.

Heft 2/Jahrgang 5

der "Augsburger Blätter" ist erschienen. Aus dem Inhalt: Praxis-Philosophie, der 3. Teil eines Zyklus' im G. Janson, ein Beitrag über Vorbilder heute von W. Groos, Neues zur Stadtgeschichte und "Bayern­forschung" u. a. m. (zu beziehen durch die einschlägigen Buchhandlungen.


Zeitung aus der Anstalt

Vor kurzem konnten wir über das Erschei­nen von NIE (Anstaltszeitung, JVA, 8851 Niederschönenfeld) berichten. Nun liegt eine weitere Nummer von NIE vor. In eigener Sache schreibt die Redaktion: "Erfreulicherweise haben sich einige Leu­te gemeldet, die in unserer Zeitungsgrup­pe gerne mitarbeiten möchten." Hoffent­lich waren es viele — das wünscht die LUEGI NSLAND-Redaktionl

Ohne Kopien

Nur noch bis zu 5 Seiten oder höchstens ein zwanzigstel der Seitenzahl von noch im Handel befindlichen Büchern sollen nach den Vorstellungen der Buchverleger nur noch kopiert werden dürfen. Eine Gebühr soll erhoben werden, der Ver­sand von Aufsatzkopien im Leihverkehr soll ganz unterbleiben. Dies sind die For­derungen der Verleger an den Gesetzge­ber. Grund: Bedrohung der Absatzzahlen durch das kopieren! Der Deutsche Bibliotheksverband hat inzwischen Ein­spruch erhoben und fordert, von den Verlagen Auskunft über "Notwendigkeit und Berechtigung der geplanten Maß­nahmen", die eine einschneidende Be­hinderung der wissenschaftlichen Arbeit darstelle. Der Absatz jedenfalls gibt den Verlegern nicht recht! Anfragen und Mei­nungen gehen an den Verband, 1000 Ber­lin 31, Fehrbelliner Platz 3.


musik
Kapellmeister geht

Nein, nicht der Franz R. Miller! Der wird noch ge-(miß-)braucht. Gerhard Markson von den Städtischen Bühnen dirigiert in Zukunft am Staatsteheater Oldenburg.

„Programmänderungen vorbehalten!" 

Im Rahmen des 28. Deutschen Mozart- festes gibt es eine Reihe von Konzerten mit Werken von W.A. Mozart und Vor­tragsabenden über Musik und Leben Mozarts. So werden u. a. die Klavier- Solisten Christoph Eschenbach und Jörg Demus zu Gast sein (11.6. und 12.6.). Der Intendant der Münchner Kammerspiele, Hans Reinhard Müller, spricht über „Mozart in der Dichtung" (10.6.), Prof. Dr. Erich Valentin, der auch durch das Programm führt, referiert über Mozarts „Don Giovanni". (Genauere Zeit- und Ortsangaben finden sich im Veranstal­tungskalender des Monats)

Konzerte der Stadt

Unter der Gesamt-Leitung von Gabor Otvös finden in der Saison 79/80 wieder zahlreiche Konzerte statt. Uber die genaue Programmfolge und die einzelnen Konzerte informiert das Platzmietebüro, Kasernenstraße 4.

It's Festival-time again

Sommer und schönes Wetter, das heißt auch Festivalzeit. Den Anfang in unseren Gefilden macht eine, ausschließlich mit deutschen Gruppen besetzte Großveran­staltung. Wo? In Aichach-Walchshofen. Veranstalter ist die Aichacher Zeitung; womit auch die Frage nach Seriösität ge­löst wäre. — Sollte ein Uberschuß zu­standekommen, fließt dieser ausnahms­los dem Verein „Lebenshilfe e. V." in Aichach zu, der dort eine Schule für gei­stig und körperlich behinderte Kinder baut. Der Festivalerlös dient als Spende fur dieses Vorhaben. Beginn ist Freitag, der 22. Juni um 16 Uhr mit Octopus. Bis 02 Uhr spielen dann in folgender Reihen­folge: Vanessa, Tri Atma, Sinto und Anyone's Daughter. Weiter geht's am Samstag um J2 UV "mit An Story Creek, Alto, Guru Guru, Kraan und Amon Düll II. Für preiswertes Essen und günstige Getränke ist gesorgt. Karten zu 14,— DM gibt es im Vorverkauf in Augs­burg bei Govi, in Hamlar im Nashville und in Aichach bei Mayer & Söhne; an der Festivalkasse kostet der Eintritt dann 16— DM. Also, nichts wie auf und Kar­ten besorgen.

Afro-Sambas

und Volksmusik aus Brasilien präsentiert Geigenbau Kreuzinger & Sonohara am 26. Juni im Barbarasaal mit der Gruppe „0 Xango". Paulo Vol kmer, geboren 1946 in Porto Alegre (Brasilien), seit vielen Jahren Lehrer für Gitarre in Salzburg, bildet das kompositorische Rückrat der Gruppe, die beiden Percussionisten, Wer­ner Stadler und Hermann Urabl, Lehrer am Salzburger „Mozartum", liefern den Rhythmus. Am Kontrabaß spielt Jona­than Cable (Mitglied der Kölner „Musica­Antiqual und an der Flöte ist Christoph Maulbach zu hören.

Allgäu - Jazz

Vom 16. — 23.6.1979 findet wieder (zum 3. Mal) Schwabens einziges Jazzfestival statt: Die Allgäuer Jazztage in Wangen und Leutkirch. Die Kölner Gruppe „Key" mit Markas Stockhausen, das Joe Hender­son Quartett (feat: Joanne Brackeen) aus den USA und eine SWF-Session (Pro­duktion: J.E. Behrendt) mit Hans Koller und Dollar Brand bilden die nominellen Höhepunkte. (Anfragen an den Jazzclub Wangen, Dr. Bücking)

„Geistliche Musik"

In der Basilika und dem Kaisersaal in Otto­beuren musizieren die „Slowakischen Madrigal isten" (9.6.) und 10.6.) mit Rena Renaissande — Madrigale in italienischer, englischer, französischer und deutscher Sprache und mit einer Aufführung der Misse „Iste Confessor" von G. Pierlwhida Palestrina. Die Stuttgarter Hymnus-Chor­Knaben (24.6.) das Stuttgarter Melos Quartett (23.6.) und das Radio-Sympho­nieorchester Stuttgart (24.6.) schließen den Reigen der Juni-Konzerte. (Siehe auch nähere Angaben im Veranstaltungs­kalender)


uni
Uni — Stadt Augsburg

Am 30.6. findet nun das Bürgerfest im Uni­versitätsviertel statt: "Im Wohngebiet und im Universitätsviertel ist von 10 Uhr bis Mitternacht Sport, Spiel, Musik, Unterhal­tung, Information und Bewirtung ge­plant."

Ein Brillantfeuerwerk und eine Luftfahrt­attraktion krönen die Veranstaltung, die eingebunden ist in eine groß angelegte Ak­tion,um Augsburg als Uni-Stadt der Bevöl­kerung und den Studienwilligen, vor allem im Münchner Raum nahezubringen.

Letzte Meldung: Drei Kandidaten

Prof. Knöpfle und Prof. Schaffer (derzei­tiger Präsident und sein Vize-Präsident) nehmen die Nominierung beider durch die Vollversammlung der Augsburger Universität an (Neben Knöpfte und Schaf­fer hat sich Prof. Meessen, ebenfalls von der hiesigen Alma Mater, um den Präsi­dentenstuhl beworben (Anmerkung der Red.: Knöpfle als Taktiker — wer hätte das gedacht? )

Kartendienst

Bei der Studentenvertretung der Univer­sität Augsburg (Memminger Straße 6) kann man ab sofort "ein bestimmtes Kar­tenkontingent" auch für Theater-Vorstel­lungen zu halben Preisen im Vorverkauf beziehen. Damit wird der weithin als unbefriedigend empfundene Zustand, erst 15 Minuten vor Beginn einer Vorstel­lung Billigkarten zu bekommen, abge­schafft.


theater

Neue Saison

Für die Theatersaison 79/80 liegen nun die konkreten Angebote vor. Rudolf Stromberg, Intendant der Städtischen Bühnen, in seinem Vorwort: "Bei der Spielplangestaltung waren wir darauf be­dacht, daß ein Theater unserer Größen­ordnung in erster Linie Theater für die Bürger seiner Stadt machen sollte." Im Bereich Schauspiel stehen O'Casey ("Pur­purs-taub"), Shakespeare ("Der Sturm'), Gorki ("Kinder der Sonne") und Schil­lers "Don Carlos" an. In der Komödie Kroetz ("Mensch Meier"), Strindbergs "Die Kameraden" und Ustinovs "End­spurt" u. a. m.

Kuratorium Bert-Brecht-Haus

Einen Vorstoß in Sachen „Brecht-Haus" (Auf dem Rain I hat das Kuratorium zusammen mit dem Freien Theater in der Kresslesmühle (AKKU) unternom­men: So soll die Stadt Augsburg endlich den Erwerb des Hauses betreiben, um dann in dem zweigeschossigen Gebäude eine ständige Ausstellung und im Erd­geschoß eine Teestube einrichten zu können.

Mobiles Rhein-Main-Theater

nennt sich ein neues Ensemble des"poli­tischen Volkstheaters" in der BRD. Mit ihrem "Lustspiel zur Arbeitslosigkeit" "Gearbeitet wird, was auf den Tisch kommt" ist die Truppe z. Zt. auf ihrer ersten Deutschland-Tournee. Am 26.6. gastieren die 5 Akteure auch in Augsburg. Die "Frankfurter Rundschau" zur Auf­führung im TAT: "Diese Art von poli­tisch intendierter, südländischeren For­men von Volkstheater verpflichteter Kleinkunst gibt es hierzulande kaum." (Veranstaltungsort ist der Tagespresse zu entnehmen)

AKKU-Theater


Das Freie Theater in der Kreßlesmühle veranstaltet im Juni das durch das Berliner GRIPS-Theater bekannt gewordene Kindertheaterstück "Ein Fest für Papadakis". Man erinnert sich:

"Auf einem Campingplatz findet der deut­sche Vater Willi Müller mit seinen Kindern Vera und Dieter seinen langjährigen Stammplatz durch ein fremdes Zelt be­setzt. Zum Ärger Müllers sind die Inhaber dieses Zeltes ausgerechnet der griechische Gastarbeiter Vasili Papadakis und sein Sohn Jannis. Auch der alte Rentner Ottö räumt nicht mehr die Abfälle zusammen, seine Stelle hat jetzt das türkische Mäd­chen Aysche übernommen. Aysche muß Geld für ihre Familie mitverdienen und kann deshalb nicht zur Schule gehen. Den Kindern gelingt es natürlich sehr viel eher, die Spannungen zu überwinden, aber auch Vater Müller verliert mit der Zeit seine Vorurteile. So feiern sie am Ende alle miteinander ein fröhliches Fest bei Papadakis." (Die genauen Aufführungstermine sind in unserem Veranstaltungskalender enthal­ten.)


Neues aus dem Stadtarchiv

Geschichtliches, ganz ungeschichtlich

Unter dem Titel „Ulrich Schwarz — ein Mann von politischer Bewegtheit" ver­öffentlichte das „Amtsblatt der Stadt Augsburg" am 9. März den „Abschluß eines Vortrages von Archivdirektor Dr. Wolfram Baer über den Augsburger Zunftbürgermeister Ulrich Schwarz."

Das Folgende dient nicht nur dazu, die Rolle Schwarz' im Rahmen seiner Tätig­keit als Zunftmeister etwas anders ein­zuschätzen, sondern es soll auch gezeigt werden, welches zweifelhafte Geschichts­verständnis die Baer'schen Analysen trägt.

In diesem Vortrag geht es Baer einmal um die Beschreibung des historisch auf­fällig gewordenen Lebens von Ulrich Schwarz und zum anderen um eine ange­messene Sinngebung dieses historischen Faktums für die Gegenwart. Die Art und Weise, wie diese Sinngebung erfolgen soll, nennt Baer das „Verstehen": „Das Wesen geschichtlicher Erkenntnis ist Verstehen." Im weiteren verteidigt Baer das Verstehen als epochenbezogenes Einordnen der zunftmeisterlichen Vergangen­heit vor jeder nur soziologischen respekti­ve historisch-materialistischen Einord­nung: „So begreift zwar die Geschichts­forschung auf der Grundlage des histori­schen Materialismus Geschichte auch als Handeln des Menschen in seiner Zeit, konzentriert sich aber entschieden auf die Unterschichten, weil sie in ihnen die po­tentiellen oder tatsächlichen Träger von sozialen Aktionen, nämlich Klassenkämp­fen sieht." In diesem, man kann sagen marxistischen Sinne, sei der Zunftmeister Schwarz, aus der unteren Sprosse sozialer Hierarchie stammend, und auch nach sei­ner Wahl an die Spitze der Stadt Augs­burg die Belange der kleinen Leute ver­tretend, eine Art Sozialrevolutionär ä la Thomas Müntzer.

Zur Person

Das Geburtsdatum von Ulrich Schwarz ist nicht genau bekannt; wahrscheinlich wurde er 1422 geboren. Er war vermut­lich Zimmermann, aber er ist auch Ange­höriger der Zunft der Salzfertiger. 1469 wurde er erstmals zum Bürgermeister „der Zünfte" gewählt. Das bedeutete soviel wie Hauptanteil an der Regierung der
Stadt Augsburg zu besitzen. Die Geschlech­ter und die höheren Zünfte waren seine Gegner. Am 11. April 1478 wird Schwarz auf Betreiben der Gegnerparteiungen aus einer Ratssitzung heraus verhaftet und be­reits vier Tage später, am 18. April 1478 durch den Strang hingerichtet.

Quellen und Materialien, die das Handeln Schwarz' zum Beispiel bei der Anklage und Hinrichtung der Gebrüder Vittel we­gen Schädigung der Stadt hätten ins Licht bringen können, wurden systematisch ver­nichtet. So blieb es für die Geschichts­schreibung dabei, daß Schwarz ein Schur­ke und Dieb gewesen sei.
Aber dies sei eben eine aufgesetzte Inter­pretation, so Baer.

Die Frage ist nun, wie sieht die angemes­sene Verständnisform aus, von der Baer meint, sie habe Anspruch auf Gültigkeit? Zu diesem Zweck zitiert Baer zuerst ein­mal den Historiker Leopold von Ranke und dessen berühmtes Wort: „Jede Epo­che der Weltgeschichte ist unmittelbar vor Gott." Nun ist es schon sehr gewagt, von einer Epoche so zu sprechen, als handle es sich um ein genau abgrenzbares Zeitinterval; gewagter aber noch ist die Vorstellung, „die" Geschichte habe ein Verhältnis und dieses Verhältnis sei auch noch unmittelbar (!) zu einem nicht nach­prüfbaren Moment, einem Postulat. Im Verfolg seiner Einordnungsversuche ver­läßt sich Baer nun doch auf mehr mittel­bare und nachprüfbare Kategorien zur Charakterisierung der „Epoche": Fröm­migkeit, kirchliches Leben, Staat und Ge­sellschaft als Kultureinheit; der Einzelne als umfassendes Glied gedacht in der Ge­sellschaft usw. Allerdings, so stellt Baer fest: „Diese universelle Ordnung des Mit­telalters beginnt nun auseinanderzufal­len." Es war, und ab hier seien die Aus­führungen Baers etwas ergänzt, die Zeit der aufkommenden frühen Renaissance; eines Marcilio Ficino, eines Mirandola, eines Patrizzi  und eines Pomponazzi 11462-1525, die alle mit denkwürdiger Konsequenz die ersten pragmatischen und aufklärerischen Akzente in Europa setz­tereDas Machen und Erwerben wurde großgeschrieben: „Für die Tätigkeit ist der Mensch geschaffen, und der Nutzen ist seine Bestimmung", meinte der Re­naissance-Baumeister Alberti. Schwarz', von Deuerlein in dessen Biographie her­vorgehobene „antikapitalistische Sehn­sucht" in Anbetracht des Beginns der Ausbeutung in seiner heutigen Form, scheint in seiner geschichtsträchtigen Aus­sage gerade mehr zu enthalten als die zeit­gebundene Sehnsucht so manchen Mittel­ständlers dieser Zeit nach mehr Erwerb_ Und genau dies gilt es hier festzuhalten und gerade in seinem denkwürdigen sozia­len Engagement für die „kleinen Leute", als Praxis dieser „Sehnsucht", ist er, wenn man schon von der Bedeutung eines Le­bens für die Gegenwart redet, uns heute wichtig. Das hat Baer nicht geleistet. Dafür hat er seine „Epoche" gesetzt, die nicht einmal Schwarz sehr viel bedeutet zu haben scheint.

Nun darf man natürlich nicht meinen, dem Archivdirektor Dr. Baer sei die Sach­lage unbekannt. Er dürfte wahrscheinlich genau wissen, daß solche Geschichtsbe­trachtung völlig unhistorisch und restau­rativ ist; d.h. man tut so als gäbe es einen feststehenden Bedeutungskanon über den Rang eines historischen Datums, sofern man nur die jeweilige Epoche berücksich­tigt. Unter solchen Vorstellungen läßt sich dann auch mit Recht schreiben:

„Schwarz — ein Mann von politischer Be­wegtheit"! Nicht: ein Mann, der Politik machte! Nun kann man dies natürlich als kleinmütige Rechthaberei abtun. Es sei aber darauf hingewiesen, daß solche Ge­schichtsvorstellungen unter politischen Maßstäben als reaktionär einzustufen sind.

Arthur Müller

In diesem Zusammenhang gehört auch eine Veröffentlichung von Werner Raith — „Florenz vor der Renaissance", Campus-Verlag 1979 —, die zeigt, daß zeitverschoben zur Entwicklung im übri­gen Europa in Florenz der Vorrenaissance bereits Auseinandersetzungen stattfan­den, die wir heute als soziale Kämpfe be­zeichnen.

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Bilder des Augenblicks

Karl Most­böck

Zur Ausstellung der Aquarelle Karl Most­böcks in der "galerie nach sechs". Erkennbarkeit und Unterscheidbarkeit sind sicher Prädikate, die auf distinkte Weise die Verbindung verdeutlichen, die die so­genannte moderne Kunst mit der heutigen Lebenswelt, die primär eine technische Welt ist, in Beziehung bringen: Es gibt immer weniger zum Nachdenken, es wird dagegen immer mehr gezeigt. Das Sexuel­le und die rationale Produktion von Zei­chen im Bereich des industriellen Designs mögen dafür Hinweis sein, wenn man schon nach Argumenten sucht. Denn nur manchmal zucken wir noch zusammen, wenn ein ordinäres Wort unsere Ohren streift. Und auch dies gehört zum Signe unserer Zeit, und das heißt zu jenem Pro­zeß der Exibition, der immer leicht in die Nähe der ökonomischen Prostitution gerät: Die Differenz zwischen dem, was auf molekularer Ebene, also im physikalisch-chemischen Bereich, die Welt in Ord­nung hält, die data bruta einer anschau­ungslosen "Feinwelt" sozusagen, korres­pondiert eklatant mit den klaren und erkennbaren Feinstrukturen in der ästhe­tischen Welt. Somit sind wir beim The­ma, nämlich bei den Objekten von Karl Mostböck.

Denn Erkennbarkeit und Unterscheidbar­keit ist dort gegeben, wo nichts mehr un­terhalb der Oberfläche steht, also eine Bedeutung in irgendeinem Sinne gefordert ist. Und es ist ein großes Mißgeschick un­serer Tage, daß immer noch so getan wird, als sei die Fotographie eines Gegenstandes kein Materialverschleiß im GEgensatz zu den konkreten Tachismen Mosböcks.

Denn es ist klar, daß immer dort, wo eine verdeckte oder offene Bedeutung im Spiel ist, das Rätselraten und das Material abhän, gig, quasi ohne Recht ist und die Herstel­lung eines Werkes durch Darstellung ver­kommt. Ballast und Unkosten sind die Folge, werden mitgeschleppt, wo erst viel wahrgenommen werden muß und letztlich die Sinne verstopft werden.

Die data bruta der Physik und die Zeichen der Leuchtreklame haben, unabhängig von jeder Spekulation, Erkennbarkeit und Unterscheidbarkeit.

Die Signes Mosböcks haben dies auch; sie sind frei von Ballast; sie sind konkret. Das ist das erste und auffälligste im Augen­blick.

Die spezifische Differenz allerdings, der Kunstwert der Objekte Mosböcks, ist ihre wider jede Regelmäßigkeit verlaufende Feinstuktur. — Damit ist auch gesagt: Überraschend für das nur praktische und wissenschaftliche Auge. (Bis Mitte Juni; Katalog, ä 12,— DM, liegt auf)
AM
Lueginsland
Gruppenmarkt


Nach der Gruppe "Catfish", die wir im März-Heft vorstellten, wollen wir diesen Monat unsere Spalte, die mit dem Unter­titel "Was gilt der Prophet im eigenen Lande?" überschrieben ist, mit einer wei­teren, hörenswerten Formation fortführen; ihr Name: ROCK 'N' ROLL EXPRESS Die am 10.3.1978 gegründete semiprofes­sionelle Band spielt Rock'n'Roll der 50iger Jahre in folgender Besetzung: Clemens Sing: (dr), Manfred Hecker (gtr., sax., voc.), Dieter Deiss ( bs, voc.), Thomas Graue (piano) und Conny Hübner (von.). Ihr 5 x eine halbe Stunde dauerndes Re­pertoire umfaßt Fremdkompositionen von Chuck Berry, Bill Haley, Elvis Presley u.a. im Eigenarrangement. Die Anlage, welche sich aus Pearl Drums, Fender-, Gibson-, I banez-G itarren, Fender E.-Piano, Bur­man, Marshall, Sisme-Gesangsanlage und einer 400-Watt-Lichtanlage zusammensetzt, wird im bandeigenen VW-Bus transportiert. In der Wahl ihrer Auftrittsorte legt sich die Band nicht fest und bespielt Diskotheken und Clubs gleich gerne. Referenzen sind in diesem Fall Namen folgender Clubs in Mün­chen: Memoland, Marienkäfer und Rigen­Club. Bemerkenswert ist ferner, daß die Musiker bereits einen Vertrag mit der Plat­tenfirma Ariola abgeschlossen haben. Management: Clemens Sinai, 8901 Brun­nenmühle, Tel. 08238/2293
TH
Hoffmanns
Erzählungen


Zum Konzert des Liedermachers Klaus Hoffmann in der Augsburger Kongreß- halle

Der alte Typ des Liedermachers scheint auszusterben: bärtig, aufmümpfig, schnoddrig, mit Gitarre und sonst nichts — das ist nun vorbei.

Im letzten Jahr ging der deutsche Klein­kunstpreis zum zweiten Mal an einen Liedermacher der neuen Art. Nach Kon­stantin Wecker holte Klaus Hoffmann den begehrten Preis. Schon rein außer- ach unterscheiden sie sich von den Bür­gerschreck-Barden der Burg Waldeck. Aber so freundlich, wie der 28-jährige Klaus Hoffmann blauäugig von Plakaten und Platten-Covers lächelt, ist er nicht immer. Wenn es darum geht, Partei zu ergreifen für die Ausgestoßenen, die Ausgeflippten, dann kann er schon

recht grimmig werden, aggressiv auch manchmal.

Bevor er als Liedermacher sein Publi­kum fand, war er schon als Schauspieler

bekannt; für seine schauspielerische Lei­stung in dem Film „Die neuen Leiden des jungen W." bekam er den Bambi und die goldene Kamera. Und das merkt man dann auch, daß hier ein gelernter Schau­spieler am Werk ist. Kein anderer Lieder­macher versteht es so wie er, seine Texte durch Gestik und Mimik zu unterstrei­chen.

Seine Themen sind weit gestreut: Von Berlin, seiner Heimatstadt, singt er viel, von Schwulen (Marmer, Tunte, Schwule Sau!"), von Sarah, deren Mann von der Gestapo geholt wurde und von dem Tür­kenjungen, der boxt und für den Tag übt, wo er alles bezahlt und ganz groß raus­kommt.

Die Musik dazu ist manchmal etwas seicht, die fünf Musiker spielen recht brav mit, ohne groß aufzufallen. Einzig Jörg Sukow setzt durch sein gleich aus­drucksvolles Spiel auf Gitarre und Cello wichtige musikalische Akzente.

An volle Hallen und große Erfolge in Norddeutschland gewöhnt, wollte sich bei Klaus Hoffmann in Augsburg angesichts von 250 (!) Zuschauern in der Kongreß- halle die rechte Spielfreude nicht einstel­len. Er zog sein Programm zwar konzen­triert durch, blieb aber, denkt man an den Ruhm, der iehm vorausgeeilt war, zu

blaß, um das Häuflein von Fans zu begei­stern.

Volker Heinzler

Die Kelten kommen


Zum Folkmusik-Abend mit der Gruppe „Andro" in der Kressles'Mühle.

„Andro", das ist ein keltischer Rundtanz, der heute noch in der Bretagne getanzt wird. „Andro", das ist auch eine Folk­gruppe aus Berlin, die bretonische und iri­sche Folklore macht, Musik aus Gegenden also, in denen keltische Kultur heute noch lebendig ist. Da gibt es Tänze, Lie­beslieder, Balladen, rhythmische Stücke, bei denen es einen in den Beinen juckt, und leise, zarte Lieder, melancholisch manchmal, aber nie schnulzig. Fehlt es der Gruppe auch etwas an musikalischer Perfektion, so lassen die vier Musiker doch durch ihre Spielfreude und ihr sym­pathisches Auftreten manche technische Unebenheit vergessen. Sie sind ja auch keine Profis.

Klaus Stammer (29), der Gründer der Gruppe, ist Bibliothekar. Sein ausdrucks­starker Gesang trägt viel zum eigenen Stil der Gruppe bei. Neben der Gitarre spielt er auch nach verschiedene Flöten.

Rita Schmidt (24) spielt Bodhran, Streichspalter, Flöte und Trommel. Ihr Gesang ist nicht immer ganz astrein, vor allem in höheren Tonlagen ist sie stimm­lich überfordert. Sie ist Erzieherin und macht außerdem das Management der Gruppe.

Norbert Fechner (28) spielt Tin Wistle, Fagott und Bombardes. Als klassisch aus­gebildeter Fagottist und ehemaliger Be­rufsmusiker ist er das musikalische Rück­grat von Antro.

Helmut Gotschy schließlich, der 25-jähri­ge Instrumentenbäuer und einzige Nicht­berliner der Gruppe, spielt Dulcimer, Bodhran, Gitarre und (ausgezeichnet) Löffel.

Das Konzert in Augsburg wurde für „Andro" ein voller Erfolg. Das Publikum in der ausverkauften Kresslesmühle war begeistert und ließ die vier Berliner erst nach fünf Zugaben gehen.

Wenn man bedenkt, daß sie erst seit ei­nem halben Jahr zusammen auftreten, dann ist von „And ro" noch allerhand zu erwarten. In Zukunft wird die Gruppe aus fünf Musikern bestehen: Ein Bassist kommt dazu und das Instrumentensorti­ment wird um eine Drehleier und eine bretonische Harfe erweitert. Volker Heinzler


Passport in concert

Nachdem sich die Band vor ausverkauftem Haus mit den Titeln der letzten beiden LP's "iguacu" und "Ataraxia" warmge­spielt hat, wird die neue Platte vorge­stellt.

"Dreamware" macht unter Verwendung des Vocoder den Anfang. — Der Vocoder ist ein elektronisch arbeitendes Gerät, wel. ches die durch Mikrophon eingegebenen Töne elektronisch verfremdet. —"Gates of Paradise, Children's Dance, Big Bang und Gates of Paradiese" folgen. Zwi­schenapplaus und die begeisterte Publi­kumsreaktion sprechen für die Band. Handwerklich wie technisch einwandfrei spielen alle Musiker begeistert, obwohl ihnen auf der mit technischem Gerät über. ladenen Bühne kaum Gelegenheit zur Be­wegungsfreiheit geboten wird; diese wird ihnen dafür umso mehr in der Konstruk­tion der Stücke gewährleistet. Und hier wird auch der nicht unwesentliche Unter­schied Konzert/Platte und das Manko von "Passport in Concert" deutlich. Was auf Platte wegen straffer Arrangements kaum ersichtlich, kaum hörbar wird, zeigt sich beim Liveauftritt umso mehr. Alle Stücke sind nach dem gleichen Schema aufge­baut — Einstieg mit einem "in's Ohr ge­henden, interessanten Thema" (Doldin­gers schlagerkompositorische Tätigkeit scheint an allen Ecken und Enden durch), Improvisation (im Konzert um vieles län­ger als auf Platte) und wenn sich der Zu­hörer gerade abwenden will, weil er die Lust am Zuhören verloren hat, kommt wie­der das schöne, eingängige Thema und man ist wieder gefangen und mit beiden Ohren bei der Sache. — Nichtsdestotrotz, die Resonanz beim Publikum ist und war überwältigend, wie der örtliche Erfolg (4 Zugaben) und der allgemein sehr gute Verlauf der Tournee beweisen. Eines sollte auf jeden Fall noch erwähnt wer­den: Für einen Eintrittspreis von 13 DM spielte Passport zweieinhalb Stunden und das muß honoriert werden, betrachtet
man die zahllosen anderen Künstler (vor­zugsweise Rockmusiker) die für ein viel­faches dieses Eintrittspreises sich nur 60 Minuten dazu herablassen, ihr Können unter Beweis zu stellen.

Thomas Hammerl


Konzert-Quiz

Und weiter geht's mit Schmankerin für alle Autogrammsammler. Diesmal STUMBLEBUNNY/THE HOLLIES! Wer also eine echte, signierte Autogrammkarte dieser Musiker haben will, muß nur kurz folgende Fragen beantworten. Die fran­kierte Postkarte dann mit der richtigen Lösung ab in den Briefkasten, adressiert an LUEGI NSLAND, Hermanstr. 3, 8900 Augsburg, Stichwort: Konzert-Quiz. Nicht vergessen, Namen der Gruppe angeben, von der ein Autogramm gewünscht wird.

Frage: "STUMBLEBUNNY": Aus wel­cher berühmten Gruppe stammen zwei Mitglieder dieser Band? Tip: Eine Grup­pe, die, lange bevor es Punkrock und Transvestitenlook gab, sich schon in die­sem Genre bewegte. Die ersten zwei Wor­te: THE NEW YORK —THE HOLLIES — Wie hieß der Sänger, der beim Augsburger Konzert für den erkrankten A. Gierke einsprang und den Hauptge­sangspart übernahm? — b) Wie lautet die magische Zahl, welche auf den Kopf ge­stellt, den Gruppennamen ergibt und zu­gleich Titel des neuesten Albums ist? Viel Erfolg! TH

Tourneen


1.6. Dire Straits, München, Circus Krone; ausverkauft

2.6. M. Webster/Rush, München, Circus Krone

2.6. Gantenbein, Siebnach, Jazz-Rock Club

3.6. Out of Focus, Siebnach, Jazz-Rock Club

5.6. Steve Hackett & Band, München, Circus Krone

5,6. White Snake, München, Schwabinger Bräu

8.6. Herman Brood & Hits Wild Roman‑

ce, München, Schwabinger Bräu 9.6. Gazebo (Jazzrock), Siebnach,

Jazz-Rock Club

11.6. Peter Tosh, München, Circus Krone 12.6. P. Catherine, C. Mariano, J. van't

Hof; München, Schwabinger Bräu 16.6. The Tubes, München, Uircus Krone 16.6. Ramses, Siebnach, Jazz-Rock Club 19.6. van Haien, München, Circus Krone 22.6. Open-Air-Festival, Aichach‑

Walchshofen, Beginn 16 Uhr

Octopus, Vanessa, Tri Atma, Sinto, Anyone's Daughter

23.6. Open-Air-Festival, Aichach­Walchshofen, Beginn 12 Uhr

Aera, Stoney Creek, Alto, Guru Guru Kraan, Amon Düül 2

29.6. Epitaph, Siebnach, Jazz-Rock Club 30.6. British Rock Meeting '79, München, Olympisches Reitstadion

Dire Straits, Barclay James Harvest, Sniff'n'The Tears, Dr. Feelgood, Tom Robinson Band, Johnny Win­ter (speziell diese Angaben ohne Gewähr)

Wenn nicht anders angegeben, Beginn 20 Uhr. Wie immer, alle Angaben jedoch ohne Gewähr.

P.S. Welche Größe die abgeschlossenen Verträge in den populären Musik und da­mit das ganze Geschäft als solches inzwi­schen angenommen haben, zeigt sich viel­leicht an folgenden Beispielen: Neil Diamond schloß einen Vertrag über 5 Mill. Dollar ab, Elton John einen über

8 Mill. Dollar, Stevie blonder über 13 Mill. Dollar und Ex-Beatle Paul Mc Cartney übertraf sie alle, als er kürzlich mit seiner Plattenfirme Columbia Rec. einen Vertrag über drei LP's aushandelte und diese ihm dafür sage und schreibe 20 Mill. Dollar zahlte! That's big business!!!

TH



literatur

«Mühlen-Literatur»


Literatur der Gegenwart

lautet der Titel eines Buchprogramms mit jungen und bekannten Autoren des Ver­lages Kiepenheuer & Witsch in Köln. Im Rahmen der Serie lasen im letzten Halb­jahr im Bürgerzentrum "Kreßlesmühle" die Autoren H.D. Baroth ("Aber es wa­ren schöne Zeiten"), S. Brunk ("Der Ma­gier"), Karin Petersen ("Das fette Jahr"). Es sollte auch Paul Kersten ("Der alltäg­liche Tod meines Vaters"), der aber wegen Krankheit ausfiel, lesen. Die genannte Rei­henfolge ist nicht beliebig; sie dokumen­tiert auch das Interesse für "Literatur der Gegenwart": 8 Besucher bei Baroth, 80 bei der Brunk und ähnlich "hoch" war die Zahl bei der Lesung von Karin Petersen, auffällig begleitet von mehr oder weniger offenem Gähnen Seitens der Zuhörer und diversen Quakeleien zur Sache.

"Liegt's an den Leuten oder liegt's an der Leitung, womit nicht die Kreßlesmühle in ihrer Funktion als Veranstalter gemeint ist. Ihr ist eher für den Mut zu danken, junge Autoren vorzustellen, wo die Thea­tergemeinde Augsburg sich traditionell und keusch in der Programmauswahl gibt.

Ich glaube,es liegt an beiden: An der feh­lenden Gestaltung des Programms und am Literaturbegriff, der die Arbeiten der Autoren mehr oder weniger frägt.

Sofern man nicht geneigt ist anzunehmen, Literatur sie halt eine handwerkliche An­gelegenheit,und nicht auch ein Prozeß laufender Reflexion auf die eigene Tätig
keit, kommt man zwangsläufig zu Stel­lungnahmen, die das Verhältnis der Schreibenden zur Realität betrifft.

"In diesen Distanzen, die sie überwinden möchte, entsteht die Literatur als der Ver• such ihrer eigenen Aufhebung. Denn sie will unmittelbare Erfahrung werden, sie will den verborgenen Text sprechbar ma­chen, der unser Leben beherrscht und
von dem wir fürchten und hoffen, daß die anderen ihn verstehen", — ein Satz aus Dieter Wellershoffs Buch "Doppelt belich­tetes Seestück", ebenfalls erschienen in dieser Reihe bei Kiepenheuer & Witsch. "In diesen Distanzen", so darf vermutet werden, ist auf der einen Seite der Rei­fungsprozeß, den der Schreibende beim Schreiben vollzieht,gemeint,und auf der anderen Seite die Möglichkeit, dabei an­dere und anderes kennen zu können. Wel­lershoff, der mit einer eigenen Realismus­konzeption an die Öffentlichkeit getreten ist, spricht davon, daß es nicht um die Herstellung eines bestimmten Bildes in der Literatur geht — eines Bildes von an­derem und sich. Es geht darum, wie es Wellershoff einmal in den "Akzenten" ausgedrückt hat: "daß im Schreiben im Grunde das Vertrauen steckt, daß das Le­ben Kommunikation ist".

Die Verantwortlichen für die Autorenaus­wahl wären gut beraten gewesen, zu ir­gendeinem Zeitpunkt (möglichst zu An­fang) Wellershoff in das Angebot einzube­ziehen. Viele Mißverständnisse, oft ideolo­gisch verbrämt, das Verstummen einer Sigried Brunk als Reaktion z. B., wären so verhindert worden.


Brunk, Sigrid

Der Magier, Kiepenheuer & Witsch, Köln, 229 Seiten, DM 29,80 AM
Ein Buch zum Gähnen


Als Sigried Brunk vor einigen Wochen ih­ren neuen, soeben erschienenen Roman „Der Magier" in der Kresslesmühle vor­stellte, wurde ihr Buch teilweise stark kri­tisiert und ganz einach als schlecht abge­tan. Dies ist meiner Meinung nach zwar
etwas übertrieben, doch leider gelingt es der 42-jährigen Autorin, die 1977 den Wilhelmine-Lübke-Preis für ihren Roman „Das Nest" erhielt, vortrefflich, den Le­ser über weite Strecken zum Gähnen zu bringen. Zu simpel ist doch die Handlung.

Zwei Menschen, ein alternder, trotz seiner Jahre auf Frauen noch immer magisch an­ziehend wirkender jüdischer Schriftsteller und eine junge, verheiratete Frau, mit großem Ehrgeiz versehen, selbst Autorin zu werden, treffen sich sieben Jahre nach der bislang einzigen Begegnung für zwei Tage in einem Hotel. Es könnte alles so schön, so erfüllend sein, doch zeigt sich bald, daß sie, bei ihrem Rendez-vous, wel­ches von ihnen durch zahlreiche Briefe vorbereitet wurde, ihre Erwartungshaltun­gen nicht abbauen können. Ihre Bemü­hungen, einen gemeinsamen Nenner zu finden, schlagen fehl. Zu groß sind die Gegensätze: Zwei verschiedene Genera­tionen, zwei verschiedene Biografien.

Der alte Schriftsteller hat als Jude eine schwere Vergangenheit, die ihn prägte und wohl auch manipulierte, hinter sich. Die Summe seiner Leiden geben ihm Schutz vor neuen, so daß er ein ziemlich gefühlsloser Mensch geworden ist. Die junge Frau dagegen, flexibel und vorur­teilslos, ist ganz einfach an ihm interessiert, wird jedoch durch sein häufiges Des­interesse und Abblocken von Spontanei­tät zunehmend verwirrt und frustriert, so daß eine Kommunikation zwischen den beiden schließlich nicht mehr möglich ist. Mit diesem Roman will Sigried Brunk kei­neswegs irgendwelche Gesellschaftskritik üben, sondern ihr geht es hier um einen speziellen Fall einer menschlichen Be­ziehung, die am Generationskonflikt und an verschiedenen Lebenserfahrungen scheitert. Vom Stil her ist das Buch gut zu lesen, doch ist die Geschichte selbst um einiges zu langatmig und dadurch fast ohne jegliche Spannung. Zwar könn­te man sich noch an der klaren, realistischen Beschreibungskunst erfreuen, doch ist es nicht jedermanns Sache, praktisch jedes Nasenbohren schriftlich mitgeteilt zu bekommen.



Andreas Lorenz

Ein Protokoll über Trauerarbeit

Der Fernseh-Redakteur für Literatur beim NDR, Paul Kersten, Jahrgang 1943, be­schreibt in seiner Erzählung "Der alltägli­che Tod meines Vaters" das qualvolle En­de seines an Krebs erkrankten Vaters.

Der Krebstod feiert literarische Triumphe ("Krebsstation" von Solschenizyn, "Die Annäherung an das Glück" von G. Steffen) — und das um so mehr, je hilfloser die mo­derne Medizin dieser Geisel gegenübersteht. Kersten ist ein hochkarätiger Fachmann in Sachen Tod. Früh schon machte er Be­kanntschaft mit dem "Alltäglichen Tod." Da ist ein alter Mann, der sich über der Kerstenschen Behausung aus dem Fenster stürzt, da stirbt die Großmutter brüllend in der Küche, da stirbt im Morphinrausch der Großvatepund da sind die Geschichten über Tod und Sterben, die der Vater dem Jungen erzählte.

Im eiskalten, klinisch genauen Ton erzählt Kersten vom Sterben seines Vaters. Die langwierige Krankheit des Vaters, die dauernden Besuche am Krankenbett und die eigene Ohnmacht gegenüber der Krank­heit des Vaters machen dem Autor be­wußt, daß er etwas verliert, für immer.

Er lernt zu erkennen, daß die tiefe jahre­lange Kluft zwischen ihm und dem Vatei nicht mehr zu überwinden ist. Sie wurde durch das Sterben des Vaters endgültig.

Die Kraft, die Kersten für seine "Trauer- Arbeit" aufbringen muß, stürzt ihn in schwere innere Krisen und verursacht beim Trauernden schlimme Qualen des Gewissens. Aber gerade das gibt dem Buch die Glaubwürdigkeit, die es braucht, um beim Leser Zustimmung für die nicht im­mer ganz verständlichen Verhaltensweisen Kerstens aufzubringen. Das Buch ist ein erschütterndes Protokoll vom Ableben ei­nes Vaters, dem man eine lange verdrängte Zuneigung und Liebe nicht mehr mittei­len kann. Als Fazit gilt, was Walter Hink
in der FAZ über Paul Kerstens Buch schrieb: "Wirkt die Erzählung hier und da wie eine Etüde, so nur deshalb, weil noch nichts zur Routine geworden ist. Die Ta­lentprobe jedenfalls ist bestanden."

Paul Kersten: "Der alltägliche Tod meines Vaters"

Kiepenheuer und Witsch-Verlag, Köln 104 S., geb. 18 Mark

ISBN 3-462-01268-1
JS
Nachsicht mit den
Männern


Der Tondichter Hubert Frey, ein Mann in den Vierzigern, verlebt seine Kur in Baden­weiler. Als Herberge dient ihm das Park- Hotel, wo auch Anton Tschechov wohnte und Heilung von seiner tödlichen Krank­heit suchte. Frey befindet sich in einer Krise. Er muß sich über einiges klarwer­den. Da gibt es Probleme mit seiner Schaf­fenskraft als Komponist, mit seiner Tätig­keit als Hochschullehrer, mit seiner Ehe­frau Selma und nicht zuletzt mit seinem "unbehaglichen Alter". In der gedämpf­ten, ruhigen und behaglichen Atmosphäre des Hotels und der verschlafenen Kleinstadtstimmung igelt sich Frey seelisch ein. Weder Briefe, noch Telefonanrufe seiner Frau und von Freunden können Hubert Frey aus seinem mit seelischen Krisenele­menten gebauten Schwarzwaldiglu locken. Frey sucht Erholung für seine Seele in der samtenen Melancholie des Frühherbstes, obwohl in jener Jahreszeit (1977) die Re­publik argen Belastungen ausgesetzt war. Verstörte Politiker redeten nur noch von Nachrichten- und Kontaktsperre, von Kri­senstäben, von noch mehr Sondergesetzen und vom Hartbleiben gegenüber allen For­derungen von Terroristen. Das war der wirkliche Frühherbst in jenen Wochen in Deutschland.

"Frühherbst in Badenweiler" ist ein sehr nach innen gekehrter Roman. Frau Woh­mann war noch nie eine laute und grelle Prosaschreiberin, aber dieses "Jahreszeiten­buch" ist sicher eines ihrer ruhigsten und stillsten Bücher. Der Roman ist kein Feu­erwerk an Witz und Esprit, er ist gradlinig, bleibt immer exakt am Thema. Gabriele Wohmanns Romane (so auch "Frühherbst in Badenweiler") zeichnen sich immer durch größtmögliche Beobachtungen im Detail aus, weniger durch die Fabel selbst.

Im Frühherbst wird dem Leser in der Per­son von Hubert Frey, einer im Grunde simplen Figur, die Existenz eines "ver­leugneten Daseins" vorgeführt, das die Fesseln der alltäglichen Konventionen ger­ne sprengen möchte. Frau Wohmann
zeigt auch dieses Mal, wie so oft, große Nachsicht mit den Männern. So geartete Nachsicht kann, wie in "Ländliches Fest", auch tödlich sein

Gabriele Wohmann:

Frühherbst in Badenweiler, Roman Luchterhand-Verlag, Darmstadt 266 Seiten,
Evangelische
Perspektiven


Jürgen Moltmann, Professor für Evangeli­sche Theologie an der Universität Tübin­gen, hat soeben im Kreuz-Verlag Stutt­gart, genau terminiert zum 30. Jahrestag des Grundgesetzes der BRD, ein Buch mit dem Titel „Menschenwürde, Recht und Freiheit" vorgelegt.

In einem Vorwort verdeutlicht Moltmann die Gründe für das Erscheinen: „In den vorliegenden Vorträgen habe ich versucht, mir selbst und meinen Zuhörern Rechen­schaft über die Hoffnung auf die Mensch. lichkeit des Menschen zu geben und Klar­heit über den notwendigen Einsatz dafür zu schaffen."

In einem einleitenden Referat, „Christli­cher Glaube und Menschenrechte" beti­telt, setzt sich Moltmann in dem Zusam­menhang von christlicher Heilslehre und Menschenrechten auseinander. Die Men­schenrechte sind zwar „nur" internatio­nale Vereinbarungen, aber durch ihre Aufnahme in den Grundrechtekatalog vieler Verfassungen der Welt und die da­rauf auftauenden Gesetze kann durchaus von „Rechten" im juristischen Sinne ge­sprochen werden, auch wenn ihre Ein­klagbarkeit noch nicht überall gewährleistet ist. Daneben aber, so Moltmann, gründen alle Menschenrechte in der Wür­de des Menschen, wie es auch das Grund­gesetz der BRD vorschreibt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar ...".

Für den Christen bedeutet „Menschen­würde", so Moltmann, Geschöpf Gottes zu sein, sie ist unteilbar mit den Men­schenrechten verbunden und bedingt

„Menschenpflichten". Wörtlich: „Rechte ohne Pflichten verkommen zu Privilegien. Pflichten ohne Rechte bleiben leere For­derungen." In 5 Unterkapiteln folgert nun Moltmann, ohne durchgängig stimmi­ge Systematik, aus der soldherart theolo­gisch fundierten Menschenwürde, Men­schenrechte und -pflichten: z. 8. das Recht auf „prinzipielle Demokratisierung jeglicher Herrschaft vom Menschen über Menschen)); die Pflicht zu gemeinschaft­lichem, nicht nur zu individuellem Han­deln; so muß „die Konzentration der Le­bensmittel und der Produktionsmittel in den Händen weniger ... als Verzerrung und Perversion der Gottesebenbildlichkeit des Menschen angesehen werden"; zu den Pflichten zählt Moltmann auch die „öko­logischen"(!), denn das Überleben darf nicht auf Kosten der Natur ausgetragen werden.

Die Menschenrechte sind somit, als Teil der christlichen Botschaft interpretiert, „für den christlichen Glauben nichts Zweitrangiges."

In zwei folgenden Referaten kommt Moltmann auf konkrete Probleme zu sprechen; hier ist gewissermaßen der Pro­bierstein für die christliche Interpretation der Menschenrechte („Humanität in Schule und Gesellschaft", „Befreiung der Unterdrücker"). Neben einem geschicht­lichen Exkurs über das Werden der „Lei­stungsgesellschaft" heißt es einleitend: Dem „Der Mensch ist, was er macht" ist die Freiheit der Glaubenserfahrung ent­gegenzuhalten; diese beinhaltet mehr als Leistung, nämlich Wissen um die eigene Unzulänglichkeit. Der Kerngedanke des Aufsatzes über die dritte Welt lautet:

„Weil Unterdrückung ... zwei Seiten hat, darum muß auch der Prozeß der Be­freiung auf beiden Seiten ansetzen". D. h. konkret: Befreiung von Rassismus, Sexis­mus und Kapitalismus. In einer Ursachen- Recherche stößt Moltmann auf viele Phä­nomene, die latent unser Verhältnis zur Mitwelt bestimmen: Dem übermenschli­chen Stolz des Rassisten ist der Stolz auf das eigene Geschlecht äquivok. Im Kapi­talismus überträgt sich gar das falsche Verhältnis zu anderen auf die Arbeit und das Kapital, sie haben nach Moltmann für viele den „Vorzug" des Grenzenlosen! Moltmann schließt die Analysen mit der These: Letztlich ist es der Glaube, durch den der Unterdrücker, seiner selbst und der anderen, „jene Menschlichkeit (ent­deckt), die er an sich selbst und anderen verfolgte, unterdrückte und zerstörte!' Den Band schließt Moltmann mit einem restimeeartigen Aufsatz über die Freiheit aus christlichem Verständnis: „Freiheit im Lichte dieser (der christlichen) Hoff­nung ist die schöpferische Leidenschaft für das Mögliche."

Anstatt einer reinen Sach-Kritik des Bu­ches, die die Argumentationsstufen in ihrer logischen Stringenz zu verfolgen hätte, oder einer Würdigung im Hinblick auf die möglichen neuen Aspekte des Bandes zum Thema „Werte und Rechte des Menschen aus christlicher Sicht", soll ein nur auf die allgemeine Aktuali­tät des Themas gerichtetes Statement die Moltmannschen Thesen und Ausfüh­rungen kommentieren: Moltmann ist es gelungen, durch Bezugnahme auf das Evangelium in lutherischem Verstande 1!) einerseits (erfreulich ohne große Test­exegesen) und durch Hinweis auf die konkreten gesellschaftlichen und politi­schen Bedingungen, unter denen die Menschenrechte heute stehen, anderer­seits, einen zwar am lutherischen Pflicht­gedanken aufgehängten christlichen Bei­trag zum Thema zu leisten, der aber durch die Eigenart des sprachlichen En­gagements und die praktische Kontrolle durch die „Verhältnisse" für jeden emp­fehlbar ist.

Arthur Müller

Moltmann, Jürgen, Menschenwürde, Recht und Freiheit, Stuttgart, Kreuz-Ver­lag, 5. 95, DM 6,80

Die Worte des
Bischofs


Nicht nur der Augsburger Bauunterneh­mer Ignaz Walter ( LUEGINSLAND 5/79) (Thosti) versorgt derzeit die Stadt- Ober- und Unterhäupter mit diversen Ratschlä­gen zur Sanierung der städtischen Gara­genprobleme und erteilt bundesweit Ma­thematikunterricht, auch der Oberhirte der Diözese Augsburg, Bischof Stimpfle, versorgt, wie man hört, ganze Schulspren­gel im Schwäbischen mit einem 55 Seiten Starken Traktat über „Die G rundwerte in der Sicht der katholischen Kirche", das soeben im Stuttgarter Seewald Verlag, „rechtsaußen" gewissermaßen, erschienen.

Der Band stellt die erweiterte Fassung ei­nes Vortrages dar, den der Augsburger Bischof auf einer Tagung der Tutzinger Akademie für politische Bildung im letz­ten Jahr gehalten hat. Das Geleitwort hat der Präsident des Deutschen Bundes­tages, Kad Carstens, verfaßt. Zitat von Carstens: „Der freiheit­lich demokratische und soziale Rechtsstaat des Grundgesetzes setzt gemeinsame und verbindliche Wertentscheidungen vor­aus, deren Bestand über Zweckmäßig­keitsvorstellungen wechselnder Mehrhei­ten hinaus gesichert sein muß." Man be­achte die Adjektivfolge zu Rechtsstaat (I) und die Betonung des Rechtsstaates! Ei­nen Rechtsstaat gab es schon während der Kaiserzeit, aber Demokratie gab's nicht! Das Nachwort hat die Redaktion des See­wald Verlages verfaßt — da weiß man im­merhin die geistige Partnerschaft.

Zum Inhalt: Bischof Stimpfle will mit seinem Beitrag zur Orientierung „an grundlegenden Worten in einem freiheit­lich-demokratischen Staat" beitragen. In sechs Kapiteln versucht Stimpfle, die Po­sition der katholischen Kirche in der Fra­ge der „Grundwertedefinition", der „Grundwertebegründung" und der Ab­grenzung der Grundwerte von den „Grundrechten" klarzulegen. In einleiten­den Exkursen verdeutlicht Stimpfle durch zahlreiche Beispiele aus dem öffentlichen Leben (5 218, Ehescheidungsrecht, Fami­lienrecht, Bildungsreform, Strafrecht) die, wie er meint, Dringlichkeit einer Klärung und Festigung der Wertüberzeugung: „Es ist erstaunlich, daß in der Grundwerte-Diskussion der Begriffsgehalt selbst, das, was unter Grundwerten zu verstehen ist, weniger erklärt als einfach vorausgesetzt wird." Da ist der Kritiker ganz des Bischofs Meinung!

Wie sieht nun aber die Definition der Grundwerte bei Stimpfle aus?

Der Bischof sagt: Grundwerte sind nicht an Meinungen und Wünschen festzuma­chen. Es gebe so etwas wie einen idealen Grund, den jeder immer schon anerkannt hat, wenn er von Werten redet: Wahrheit, Treue, Friede, Liebe wären danach er­kenntnis- und wertleitende Ideen. Weiter formuliert Stimpfle sogenannte „Institu­tionelle Grundwerte", wie Familie und Ehe.

Drittens und letztens folgen die Werte, die aus der christlich-scholastischen Tu­gendlehre entlehnt sind und, im Gegen­satz zu den anderen, einen praktischen Wert haben: Klugheit. Gerechtigkeit, Maß usw.

Ob es sich dabei um eine Hierarchie han­delt und ob nicht doch einzelne Tugen­den leitende Ideen sind, kann hier nicht geklärt werden.

Nun zur Begründung: Die idealen Werte haben nur formalen Charakter, deshalb komme es auf die „Erkennbarkeit" an. Zwar stellen die idealen Werte auch „ur­sprüngliche Einsichten" dar (man nennt so etwas auch „evidente Wahrheiten"), aber man kann mit ihnen bei konkreten Problemen, und das heißt in der Nach­rangigkeit oder Vorrangigkeit von Wert­entscheidungen, keine konkreten Folge­rungen ableiten: Was ist Gerechtigkeit bei Lohnforderungen (?), so Stimpfle. Stimpfle lehnt sich hierzu an das theo­logisch fixierte, nicht-autonome Natur­recht an. Danach ist alles, was wirklich ist, auch gut. Es kommt darauf an, daß der Verstand die Werte „erkennt". (Textkritisch sei angemerkt, daß der von Stimpfle zwar in Anführungszeichen ge­setzte Ausdruck „produziert", völlig falsche Vorstellungen weckt).

Nun zum Abschnitt „Grundwerte und Grundrechte": Stimpfle setzt sich hier mit den Argumenten Bundeskanzler Schmidts auseinander, der bekanntlich auf einer Akademietagung in Hamburg, dem Staat nur den Schutz der Grund­rechte, der Gesellschaft aber die Ent­wicklung und Verwirklichung der Grund­werte zuerkannt hat. Diese „elegante" Lösung, so Stimpfle, der Grundrechte von den -werten ist falsch. „Wer die Grundrechte von den Grundwerten trennen möchte, der raubt ersteren die innere Kraft und würde sie trotz aller etwaigen gegenteiligen Beteuerungen auf den Status eines staatlichen Regelmecha­nismus zurückstufen."

Stimpfle vertritt dagegen die Ansicht von Kultusminister Maier, wonach der Staat ein „weltoffener und wertgebundener Staat" zu sein habe. Kurz: Bayern als Vorbild!!

Würdigung der Abhandlung: Die Würdi­gung resp. Kritik kann zweifach vorge­tragen werden: Einmal kann sie den Ge­dankengang in seiner sachlichen Tendenz auf Folgerichtigkeit untersuchen. Sie kann aber auch danach fragen, ob es Stimpfle gelungen ist, neue Verständnis­weisen des Themas zu erschließen. Letz­teres soll hier angewandt werden. Bezo­gen auf die Definition von Werten: Das Verständnis von Wert als gültiger (abso­lut) Denkinhalt, als anthropologisches Phänomen (Familie, Ehe) und Tugend­lehre ist bekanntes katholisches und außerkatholisches Argumentationsgut. Bezogen auf die Begründung von Wer­ten: Der Versuch, neben der „ursprüng­lichen Einsicht" das theonome Natur­recht zu Argumentation heranzuziehen, ist problematisch, widerspruchsvoll und bekannt. Problematisch, weil wir insge­samt von solchen Setzungen zur Wert­begründung nicht profitieren; sie setzten voraus, was erst erhandelt werden müßte.

Widerspruchsvoll im Sinne einer Ableit­ung der Werte aus der Wirklichkeit. Es sei an Kant erinnert: noch so viele In­dikative geben keinen Imperativ. Be­kannt deshalb, weil es zum Schul- und Kanzelgedankengut der katholischen Morallehre gehört. Einzig bei der Frage Grundrechte/Grundwerte gewinnt Stimpfle nicht nur aktuellen, sondern auch verfassungspolitisch interessan­ten Standpunkt — vorausgesetzt man interpretiert die Äußerung auch als Auftrag an den Gesetzgeber zur Konkre­tisierung der Grundrechte: „Genauso wenig wie man dem Staat seine eigene Kompetenz in der Wirtschafts- und Ge­sellschaftspolitik absprechen darf, ge­nauso wenig darf sich der Staat vor den übrigen Grundwerten und ihrer Geltend­machung flüchten."

Arthur Müller

Stimpfle, Josef, Die Grundwerte in der Sicht der Katholischen Kirche,

Seewald, Stuttgart, 55 Seiten, DM 6,80


LESEZEICHEN
Neuheiten vom Büchermarkt


Weltschau und Denkformen

Die Beachtung des kulturphilosophischen Werks von Jean Gebser nimmt ständig zu. Der vorliegende Band eröffnet Gesbers Hauptwerk "Ursprung und Gegenwart" (1949), in dem er den Gedanken einer aperspektivischen Weltschau entwickelt und anhand eindrucksvoller kulturhisto­rischer Belege Mutationsprozesse des menschlichen Bewußtseins enthüllt. Ges­ber liefert die Grundlage und schildert die archaische, magische, mythische und mentale Bewußtseinsart, sowie Kon­turen der "integralen Struktur", durch die bisherige Denkformen durch eine neue Qualität des Geistig-Seelischen be­reichert werden. Band II I, Teil 2 liegt ebenfalls vor

Kassetten-Ausgaben

Bei Diogenes: William Shakespeares Stük­ke haben Walter E. Richartz und Urs Wid­mer nacherzählt. Die 2 Bände in Leinen mit Kassette kosten 59,— DM.

Bei Diogenes: Ulrich Bräker, Den armen Mann im Toggenburg", dessen Lebensge­schichte liegt als zweibändige Taschen­buchausgabe vor. Sie kostet als Kassette 19,80 DM.

Bei List: Rudyard Kiplings gesammelte Werke sind in einer dreibändigen Leinen­ausgabe in Kassette erschienen. Preis: 98,— DM

Bei Detebe: Otto Jägersberg, 4 Theater­stücke, die der Autor Lehrstücke unserer Zeit nennt gibt es als Kassette zum Preis von 16,80 DM als Taschenbücher. JS



film
VORSCHAU


LUEGINSLAND stellt eine Auswahl gu­ter Filme vor, die demnächst in den Kinos laufen. Weitere Film-Termine sind im Ver­anstaltungskalender enthalten.

Michael Kohlhaas

Regie: Volker Schländorff

mit David Warner, Anna Karina, Thomas Holtzmann, Anita Palenberg

in Farbe

Nach der Novelle von Heinrich Kleist Spielzeit: 5. Juni 1979

Spielort: Mühle, Barfüßerstraße 4

Kaspar Hauser

Film des Monats

Siehe LUEGINSLAND Ap 179/4

Spielzeit: 7. Juni 1979

Spierort: Emelka

Le train (in franz. Sprache— Nur ein Hauch von Glück

Regie: Pierre Granier-Deferre

mit Romy Schneider und Jean-Louis Trintigant

Ein Film der die Menschlichkeit über alles stellt — eine außergewöhnliche Liebesge­schichte nach dem Roman von Georges Simenon.

Spielzeit: 21. Juni 1979— 20 Uhr

Spielort: OFA Studio im Emelka

Die gefürchteten Vier

Regie: Richard Brooks

mit Claudia Cardinale, Burt Lancaster

In Farbe

Ein Vietnam-Western der recht unver­schlüsselt das Engagement der Amerika­ner in Vietnam in Frage stellt.

Spielzeit: 19. Juni 1979— 20 Uhr Spielort: Mühle, Barfüßerstraße 4

The Band

in Farbe

Regie: Martin Scorsese

Nahezu 20 Jahre spielten sie in ein und derselben Besetzung zusammen — als Be­gleitband von Ronnie Hawkins, später mit Bob Dylan. Dann gingen sie auseinander. Der Abschied der Band wurde ein Spekta­kel für sich: Erntedankfest 1976, Winter­land-Arena San Francisco. Auf der Bühne: Ronnie Hawkins, Dr. John, Neil Young, The Staples, Neil Diamond, Joni Mitthell, Paul Butterfield, Muddy Waters, Eric Clapton, Emmylou Harries, Van Morrison, Bob Dylan, Ringo Starr und Ron Wood Spielzeit: 21. Juni 1979 — 20 Uhr

Spielort: Komödie

Bullit

Regie: Peter Yates

mit Steve McQueen, Robert Vaughn, Jacqueline Bisset, Robert Duvall

in Farbe

Ein Polizist in San Francisco soll einen aussagebereiten Gangster, beschützen und gerät dabei in Konflikt mit seinem Vorge­setzten.

Spielzeit: 12. Juni 1979

Spielort: Mühle, Barfüßerstraße 4

The Producer

(Frühling für Hitler)

Regie: Mel Brooks

mit Gene Wilder, Zero Mostel, Dick Shawn in Farbe

Der erste Film des Erfolgsgespannes Brooks-Wilder, der den Weg zum OSKAR bedeutete. Beide Namen garantieren: für Lachen ist gesorgt.

Spielzeit: 28. Juni — 20 Uhr — Ende 21.45 Spielort : Das OFA-Studia im Emelka

Hardcore — Ein Vater sieht rot

Regie: Paul Schrader

Der Amerikaner Jake van Dorn lebt in der Welt seines Geschäftes und seiner Gebete — bis zu dem Zeitpunkt,.an dem seine Tochter aus dieser "heilen Welt" ausbricht und in das Geschäft von Porno und Horror gerät.

Spielzeit: Demnächst

Spielort: Filmpalast

Das siebente Siegel

Ein heimkehrender Kreuzritter findet sei­ne nordische Heimat von der Pest verwü­stet. In den Ereignissen und Begegnungen weniger Tage offenbart sich die Irrfahrt des menschlichen Lebens und die nie auf­hörende Frage nach der Existenz Gottes, formuliert in der bohrenden skeptischen Sprache des Regisseurs I ngmar Bergmann. Spielzeit: 19. Juni 1979— 19 Uhr

Spielort: Die Klappe, Haus St. Ulrich, Kappelberg 1

Einer flog über das Kuckucksnest nach dem Roman von Ken Kesey mit Jack Nicholson

in Farbe

ausgezeichnet mit 5 OSKARS und 6 Gol­denen Globes

Spielzeit: 15. Juni 1979

Spielort: Tivoli

Ansichten eines Clowns

Regie: Vojtech Jasny

Die Geschichte eines Außenseiters in der bundesdeutschen Gegenwart. Nach einem Roman von Heinrich Böll.

Spielzeit: 13. Juni 1979, 18 Uhr

Spielort: Hörsaal Alter Postweg 120


Die
Blechtrommel

Nun ist er endlich angelaufen — der Film, der schon vor dem Start am 4. Mai die Goldene Schale des Bundesfilmpreises und das Prädikat „besonders wertvoll" erhalten hatte. Gespannt hatten die Kino­fans den 7,5 Millionen Mark teuren Film erwartet — und nach den Einnahmen zu urteilen, ist er gelungen. Zur Vorgeschich­te wäre folgendes zu sagen:

Ein langer Weg vom Buch bis zum Dreh­beginn

Die Verfilmung dieses Romans von Gün­ter Grass hatte einigen Herren schon jah­relang Kopfzerbrechen bereitet. Er galt als unverfilmbar; Grass selbst lehnte im­mer wieder Angebote von mehr oder we­niger bekannten Produzenten ab, weil er sein Werk nicht verfälscht sehen wollte. Erst der Münchener Filmproduzent Franz Seitz erhielt vor vier Jahren die Zusage. Nun hatte Seitz das Problem, den geeigneten Regisseur und vor allem, und das war das Wichtigste, den Darsteller des Oskar, der die Rolle eines Knirpses spielt, zu finden. Schließlich nahm er den Regisseur Volker Schlöndorff unter Ver­trag und ein Problem war gelöst. Schlön­dorff, bekannt durch sein Erstlingswerk „Der june Törleß", mit dem er 1966 in Cannes den Kritikerpreis gewann — un­beliebt und verleumdet wegen der Ver­filmung der Böll-Erzählung „Die verlo­rene Ehre der Katharina Blum". Nach­dem Seitz nun einen geeigneten, vom Autor respektierten Regisseur hatte, fehlte ihm „nur" noch der Darsteller des Oskar. Er fand ihn, nach langem Suchen, in dem 12-jährigen Sohn des Schauspie­lers Heinz Bennent — David —. Dieser war wegen seines Leidens (Nanosomie — Zwergenwuchs) geeignet und erwies sich während der Dreharbeiten auch schau­spielerisch als Idealbesetzung.

Die Inhaltsangabe

Den Anfang des Filmes bildet die recht ungewöhnliche Zeugung von Oskars Mutter, Agnes, durch den, unter die Röcke der Großmutter geflüchteten Brandstifter Joseph Koljaiczek, der schon bald wieder verschwindet. Die Tochter Agnes wächst heran und steht zwischen zwei Männern, Jan Bronski und dem Ko­lonialwarenhändler Alfred Mazerath. Letzteren heiratet sie, obwohl sie nicht sicher weiß, wer der Vater ihres Kindes — Oskar — ist, hält aber die Verbindung zu Bronski aufrecht, indem sie sich jeden Donnerstag in einer kleinen Pension mit ihm trifft Oskar kommt zur Welt äußer­lich anderen Säuglingen gleich, doch gei­stig schon ausgeprägter entwickelt. Seine Mutter verspricht ihm noch auf dem Wo­chenbett, zu seinem 3. Geburtstag eine Blechtrommel zu schenken, die von dort an sein ständiger Begleiter wird. Abgesto­ßen von der Verlogenheit der Erwachse­nen, beschließt Oskar an seinem 3. Ge­burtstag nicht mehr zu wachsen und lie­fert den Ärzten und Eltern durch seinen absichtlich herbeigeführten Kellersturz die Erklärung für das Einstellen des Wachstums. Von nun an setzt sich Oskar mitTrommeln undZersingen von Glas durch, er beobachtet seine Umwelt und macht dabei neben anderem auch seine Erfahrungen in Sachen Liebe. Aufmerk­sam verfolgt er das Hereinbrechen der „neuen Zeit", das Schicksal Danzigs. Sei­ne Mutter abermals schwanger, stirbt, sein Vater Alfred schließt sich den „Braun­hemden" an und der Spielzeughändler Sigismund Markus, der ihm all die Jahre hindurch seine Trommeln lieferte, begeht Selbstmord. Oskar ist 16 Jahre alt, als die, gerade der Pubertät entwachsene Maria ins Haus kommt, bei der er seine ersten sexuellen Erfahrungen macht. Doch auch sein Vater kümmert sich sehr intensiv um Maria und als diese schwanger wird, sieht Oskar sich in gleichem Maße als Vater wie Alfred Mazerath. Die Welt in Danzig wird ihm jetzt zu klein und er schließt sich einer Gruppe von Liliputanern an, die sich auf kleinen Bühnen an der Front ihr Geld damit verdienen, sich den Lands­herrn zu präsentieren. In diesem Milieu lernt er die ebenfalls an Kleinwüchsigkeit leidende Roswitha kennen, verliert sie aber schon bald durch eine Granatenex­plosion. So macht sich Oskar auf den Weg zu seinem „Sohn", dem er zu seinem 3. Geburtstag ebenfalls eine Trommel schenkt. Inzwischen im Jahre 1945, stirbt Alfred Mazerath, als er versucht, sein Na­ziparteiabzeichen zu verschlucken. An dem Grab seines Vaters beschließt Oskar, sein Wachstum nicht mehr zu verweigern. Er trennt sich von seiner Trommel und entfernt sich in einem Güterzug in west­licher Richtung. So endet der Film. Das Buch von Günter Grass verfolgt jedoch das weitere Leben Oskars.

Das Resumee

Was wäre nun in aller Kürze zu diesem Film zu sagen? Sicherlich ist er von Vol­ker Schlöndorff eindrucksvoll inszeniert worden und die Verfilmung als solche ist gut gelungen. Liegt es also an dem Buch? Um den Hintergrund des Filmes (sprich Buch) verstehen zu können, müßte man nämlich eigentlich genaue historische Kenntnisse über die damalige Zeit und das Schicksal Danzigs haben. Die Frage ist: Sicher sind die Geschmäcker verschieden, aber lohnt sich rein von dem Inhalt her das große Getue um diesen Film? Filmisch hat Schlöndorff sicherlich ein filmisch gut in Szene gesetzes Werk geschaffen, doch die Handlung ist eigentlich ohne große Aussage. Lob also für Volker Schlöndorff — und was für Günter Grass?

Bleibt nur darauf zu verweisen, daß im nächsten Lueginsland das Buch besprochen wird.

JPS
FILM-QUIZ


Regisseur und Autor des Films ist eine Per-1 son. Zwei Grundgedanken liegen, laut Re­gie, dem Film zu Grunde:

1. Der Hauptdarsteller durchlebt die glei­chen Phasen wie jeder Mensch — in seiner Kindheit die Liebkosungen, im reifen Al­ter die Arbeit, das Talent inmitten des Le­bens und dann die letzte Mystik, die knapp dem Tod vorangeht. Er trägt die Reliquien und stirbt dann, weil er die Sün­den "Aller" trägt.

2. Damit verbunden ist der andere Gedan­kengang:

Er begegnet verschiedenen Menschen, die jeder für sich ein menschliches Laster ver­körpern — den Hochmut, die Trunksucht, die Faulheit u.s.w. Diese beiden Gedanken bilden, nach den Worten des Regisseurs, den Stoff seines Films. Der Film entstand im Jahre 1966 und ist eine franz./schwed. Produktion

Unsere Frage: Wie heißt der Film und sein Hauptdarsteller?

Die Antwort im Mai mußte lauten:

"Cahiers du Cindma" und Andre Bazin

 Joseph Sedlmair

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